An der Weißenseer Spitze findet man eine der wichtigsten kulturellen Einrichtungen in Berlin und sicher die wichtigste in Weißensee: die Brotfabrik. Im Mai 2015 feiert das Kunst- und Kulturzentrum ihr 25jähriges Bestehen.

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Kunst ist Lebensmittel ist Brot

Wo heute Kultur die größte Rolle spielt, wurde ab 1890 Brot gebacken. Michael Kohler lies sich damals an der Weißenseer Spitze mit seiner Bäckerstube nieder und nannte sein Unternehmen „Brotfabrik Michael Kohler. Erste Zerpenschleuser Landbrotbäckerei“. Das heutige Gebäude wurde jedoch erst 1914 errichtet und im zweiten Weltkrieg nur leicht beschädigt. Als die Berliner Mauer eine Schneise durch die Stadt schlug, flüchtete der Bäckermeister und ließ seine Brotfabrik zurück. Die Gebäudeteile wurden von da an als Selterswasserfabrik, Laden für Berufsbekleidung, nach 1970 teilweise als Lager für eine Großküche und Süßwarengeschäft genutzt.
1986 wurde in der ehemaligen Brotfabrik der Jugendklub „An der Weißenseer Spitze“ gegründet, der auf Initiative der Kunsthochschule Weißensee gemeinsam mit der Kommune initiiert wurde. Hier hat die künstlerische und kulturelle Ausrichtung ihren Ursprung: In dem Jugendklub wurden Konzerte, Ausstellungen, Lesungen, Diskussionen und Theateraufführungen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Nur wenige Wochen später musste der Klub wieder schließen, die Kunsthochschule ging, der Jugendklub wurde kurze Zeit später allein unter kommunaler Leitung wiedereröffnet. In den nächsten Jahren ab 1987 wurden zwar die Konzertangebote eingeschränkt, dafür nahm das Off-Theater-Angebot Fahrt auf. Es gründete sich die Theatergruppe „Theater an der Spitze“. Außerdem wurde das erste Cafè im Haus eröffnet.
Nach der Wende erfuhr die Brotfabrik eine erneute Umgestaltung. Erstmals konnten Künstler wie Max Goldt, Thomas Sabottka und Wiglaf Droste in der Brotfabrik auftreten bzw. lesen. Nachdem nun nicht mehr die Kommune für die Brotfabrik zuständig war, wurde aus dem ehemaligen Theater der eingetragene Verein „Glashaus. Verein der Nutzer der Brotfabrik e. V.“ Im Mai 2015 feiert die Brotfabrik in ihrer heutigen Form den 25. Geburtstag.

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Hinschauen – Das BrotfabrikKino

1991 bereicherte das BrotfabrikKino das Angebot. Das erste Ostberliner Programmkino war geboren. In dem Kinoraum mit 60 Sitzplätzen wird ein unabhängiges Filmangebot gezeigt, das aus aktuellen Spiel- und Dokumentarfilmen besteht und durch Vorträge, Lesungen und besondere Filmvorführungen mit historischen Bezug ergänzt wird. Die Filmauswahl ist speziell und nur wer sich mit dem Medium tatsächlich auseinandersetzen will, wird hier glücklich. Dass das BrotfabrikKino einen feinen Geschmack hat, wird durch mehrere Auszeichnungen des Kulturstaatsministers und durch das Medienboard Berlin-Brandenburg bestätigt. 1991 zog auch die Galerie der Brotfabrik in seine heutigen Räumlichkeiten. Im ehemaligen Pferdestall wird heute deutsche und osteuropäische Kunst in wechselnden Ausstellungen gezeigt.

Bühne frei!

1997 wurde die neue Bühne eröffnet, die sich nach kurzer Zeit als Erfolg erwies. Heute werden im Brotfabrik-Theater mit seinen flexiblen 40 bis 80 Sitzplätzen Gastspiele und Koproduktionen aus der Freien Szene Berlins gezeigt. Auch nationale und internationale Gruppen, etablierte Theatermacher und junge Künstler und Künstlergruppen spielen hier, was das Zeug hält. Ein Schwerpunkt bildet das Kindertheater, aber auch Brecht und Marx widmet man in Performances, dem Tanztheater, Musiktheater, Improvisationen und Figuren- und Objekttheater. Mit etwa 300 Aufführungen pro Jahr hat der Gast eine breite Auswahl.

Flüssignahrung Bier – Gibt es auch in der Brotfabrik-Kneipe

brotfabrik berlin weissensee 4Wo früher Süßigkeiten verkauft wurden, wird seit 1990 Hartes und Zartes ausgeschenkt. Die Brotfabrik hat nicht nur das erste Ostberliner Programmkino, sondern auch die zweite legale Szenekneipe Ostberlins. Der pompöse Name ‚Geierwallys Stieftochter im Ausland. Das Cafe´an der Spitze‘ war eine Legende. Nachdem der letzte Pächter das Handtuch geworfen hat, übernahm der Verein im Jahr 2001 das Cafè, gestaltete es um und erweiterte es zur heutigen ‚BrotfabrikKneipe‘. Die Holzverkleidungen des Gästeraums und die Tresenbeleuchtung stammen aus dem Kino Venus in Hohenschönhausen, auch die Tresenbeleuchtung stammt von dort. Das klassische Berliner Hinterzimmer nennt sich ‚Der Rote Salon‘. Diesen Raum kann man privat mieten, zudem finden hier seit 2013 die Lesungen der Reihe „Literatur in Weißensee“ statt. Die Wände des atmosphärischen Raums sind freigelegt und spiegeln ihre Geschichte wider. In dem ältesten Teil des Hauses trafen sich bereits um 1900 die Weißenseer in ‚Schelle’s Gesellschaftshaus‘ zum Umtrunk. Heute muss man nicht mehr trinkfest sein, es gibt auch einen Kaffee oder die Apfelschorle, die man im grünen Hinterhof oder auf dem trubeligen Caligariplatz  schlürfen kann. Warum der Caligariplatz so heißt? Das ist eine neue Geschichte, die man ganz sicher in nicht allzu weiter Ferne hier nachlesen kann.

 

Die Brotfabrik im Internet

www.brotfabrik-berlin.de

Die Brotfabrik vor Ort

Brotfabrik Berlin
GLASHAUS. Verein der Nutzer der Brotfabrik e.V.
Caligariplatz 1
13086 Berlin

Aktuelle Öffnungszeiten gibt es auf der Homepage.

In der Rubrik “Nebenan am See” wird jede Woche ein herausragendes Geschäft, Projekt oder eine Person aus Weißensee vorgestellt.