Heute wird die evangelische Gemeinde Weißensee vorgestellt. Sie ist seit jeher der Mittelpunkt des neuen Weißenseer Zentrums um den Mirbachplatz und setzt sich für eine aktive Kultur und soziales Handeln im Kiez ein.

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Das Gemeindehaus am Mirbachplatz.

 

Im heutigen Stadtteil Weißensee hat die Geschichte der evangelischen Kirche so manchen Umweg genommen, der zu der räumlichen Trennung von Gemeindehaus und Gotteshaus führte. Die Ursprünge des heutigen Berliner Stadtteils gehen auf das dörfliche Alt Weißensee zurück, das sich entlang der heutigen Indira-Gandhi-Straße und der westlichen Seite der Berliner Allee erstreckte. Etwa seit dem 14. Jahrhundert steht an der Ecke Berliner Allee/ Falkenberger Straße die heute denkmalgeschützte Pfarrkirche. Ende des 19. Jahrhunderts sorgte die einsetzende Industrialisierung für einen enormen Zuzug in dem Stadtgebiet, es wurde mehr Wohnraum für die bürgerliche Gesellschaft geschaffen – Neu Weißensee entstand auf der östlichen Seite der Berliner Allee bis hin zum Mirbachplatz. Nun wurde der Platz in der kleinen Feldsteinkirche zunehmend eng, außerdem verstand sich Neu Weißensee als eigenständige Gemeinde, die sich von dem dörflichen Charakter von Alt Weißensee abheben wollte. So wurde die Bethanienkirche am Mirbachplatz erbaut und 1902 eingeweiht.

Alt und Neu Weißensee: Zwei evangelische Zentren

Lange konnte die große Kirche nicht genutzt werden, denn bis auf den Turm fiel sie dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer. Vorübergehend wurden die Gottesdienste auch im Gemeindesaal am Mirbachplatz abgehalten. Heute finden wieder alle Gottesdienste der Weißenseer Gemeinde in der Berliner Allee statt. Durch den Zuzug junger Familien und einer aktuellen Zahl von 4509 Gemeindemitgliedern besteht das Platzproblem jedoch weiterhin. Als sehr praktisch hat es sich jedoch erweisen, zwei Zentren an den beiden Standorten zu bilden. Während sich in der Berliner Allee mit der Pfarrkirche, dem Katharinensaal und dem ehemaligen Mausoleum das liturgische Zentrum befindet, finden in dem Gebäude am Mirbachplatz alle Gruppen und Projekte in einem Bildungs-und Begegnungszentrum Platz.

Aktives Gemeindeleben in Weißensee

Eine der wichtigsten Institutionen der Weißenseer Gemeinde ist seit jeher der Kindergarten. In dem schönen Gemeindegebäude am Mirbachplatz können die Kinder zwischen 1 und 6 Jahren in den erst vor wenigen Jahren umgestalteten und lichtdurchfluteten Räumen eine tolle Zeit verbringen. Den Kindergarten gibt es seit mehr 100 Jahren. Früher sorgten u.a. Diakonissen für die Kinder und lebten gleich nebenan in kleinen Wohnungen, in denen sich heute unter anderem die Räumlichkeiten von Pfarrer Dr. Hans Schmidt und Pfarrerin Katja Gabriel befinden.
Durch die Verjüngung des Kiezes freut sich die Gemeinde vor allem über den Nachwuchs und deren Eltern, die sich im Familien-Cafè treffen und sich nicht nur zur Osterandacht und dem St-Martins-Umzug an der Gestaltung der Kita und der Gemeinde beteiligen. Außerdem gibt es den Kreis Bethanien, den Seniorenkreis, den konfessionsübergreifenden Brücke-Kreis und den Offenen Kreis. Auch konfessionslose Berliner kennen zumeist das Projekt „LAIB und Seele“, eine Lebensmittelausgabestelle für Menschen in prekärer Situation, die auch von der Weißenseer Ökumene mitorganisiert wird.

In dem Gemeindehaus befindet sich der Kindergarten als lebendiges Zentrum der evangelischen Gemeinde Weißensee.

In dem Gemeindehaus befindet sich der Kindergarten als lebendiges Zentrum der evangelischen Gemeinde Weißensee.

 

Aktuelle Flüchtlingsproblematik als Thema der Kirche

Zu den ganz aktuellen Themen, die auch in der Weißenseer Gemeinde Gegenstand von Aktionen und Diskussionen sind, gehört die Flüchtlingshilfe. So wurde Anfang des Jahres eine Erstaufnahme-Einrichtung in der Rennbahnstraße eröffnet, die zunächst 60 Flüchtlingen, heute etwa 270 Menschen, die sich im Asylverfahren befinden, eine Obhut zur Verfügung stellt. Eine zweite Notunterkunft wurde in der Bühringstraße eröffnet. Zu der Aufgabe der evangelischen Gemeinde gehört es, gemeinsam mit der katholischen und baptistischen Gemeinde konkrete Hilfsmaßnahmen für das Organisationsteam auszuarbeiten. Das nächste große Kiez-Projekt, an dem die evangelische Gemeinde beteiligt ist, steht schon vor der Tür: Im Mai findet der 10. Sozial-Kultur-Markt auf dem Antonplatz statt, der wie auch das Weißenseer Blumenfest und andere Projekten im Kiez von der Kirchengemeinde aktiv mitgestaltet wird.

 

Die evangelische Gemeinde Weißensee vor Ort

Pfarrkirche, Katharinensaal, Mausoleum
Berliner Allee 184
13088 Berlin

Gemeindehaus Mirbachplatz 2
13086 Berlin

Die evangelische Gemeinde Weißensee im Internet

 www.kirchengemeinde-weissensee.de

In der Rubrik “Nebenan am See” wird jede Woche ein herausragendes Geschäft, Projekt oder eine Person aus Weißensee vorgestellt.