Es gibt im Moment viele Gründe, über das Wetter zu schimpfen. Weißensee geht regelmäßig unter, uns fliegen die Gullideckel um die Ohren. Allein, dass der Weiße See endlich wieder einen etwas höheren Pegel hat, ist ein Vorteil des nassen Sommers. Aber jetzt ist Schluss, die Sonne wird aufgehen, denn am 13. August heißt es bereits zum dritten Mal: „By the Lake Festival“ im Herzen Weißensees!

Tempelhofer Feld war gestern – jetzt kommt Weißensee

Im Jahr 2015 waberte mit einem Mal die Info durch das Netz, dass es ein Festival in der Freilichtbühne Weißensee geben wird. „By the Lake“ der tolle Titel, der an die Weißenseer Verballhornung „White Lake City“ erinnert. Schnell wurde aber klar, dass es sich nicht um ein kreatives Projekt von altbekannten Weißenseern handelt – aber wer dahinter steckt, wurde auch nicht deutlich. Nach einem weiteren „By the Lake“ Festival im vergangenen Jahr war es nun an der Zeit, sich dem Event eingehend widmen: Wer hat den frischen Wind in die Weißenseer Kulturszene gebracht? Birgit Voigt ist diejenige welche, die an das Telefon geht, wenn man mit der Festivalleitung sprechen möchte. Wie vermutet telefoniert man nicht nach Weißensee. Es geht ins ferne Neukölln, wo Birgit „Bix“ Voigt zuhause ist.

ByTheLakeFestival2016 Berlin Weissensee Seebühne/ Strandbad

By the Lake Festival im Strandbad Weißensee (Foto: Thomas M. Jauck)

Ein bisschen verguckt hat sich der hauptberufliche „Head of Production“ des Berliner Pop-Kultur Festival schon in unser schönes, grünes Weißensee, auch wenn der Weg von Neukölln sich immer wie eine kleine Weltreise anfühlt. In Berührung mit Weißensee gekommen ist Bix durch die dänische Band „Efterklang“. Die hatten ihr Studio nämlich in der Berliner Allee, ziemlich gegenüber vom Weißen See. Die Ansicht muss inspirierend gewesen sein, denn die Bandmitglieder gründeten den Podcast »The Lake«, der wiederum die Basis des Weißenseer Festivals ist. Bix ist seit jeher in der Musikszene Zuhause und wünschte sich mindestens genauso lange ein Festival, dass guten Musikern Raum gibt und Wert auf Qualität setzt – sei es beim Line-up, der Versorgung und dem Merchandise. Im Rahmen eines Wettbewerbs entstand die Idee zu einem Festival, das an einem Ort stattfindet, der sich nicht im Zentrum des hippen Berlinertums befindet und den eher unbekannten Perlen der internationalen Musikszene Gehört schenkt. Was könnte da besser passen als Weißensee? Den Wettbewerb hatte das Planungsteam damals nicht gewonnen, aber die Idee zum „By the Lake Festival“ war geboren.

Ein Musik-Festival für die ganze Familie

2015 fand das erste „By the Lake Festival“ in der Freilichtbühne Weißensee statt. Das Festival wurde nicht von großen Sponsoren finanziert, denn Bix und ihr Mitstreiter Tobias von zur Gathen stehen nicht auf Bühnen und Fressbuden, die Namen von Brauereien und Finanzinstituten tragen. Dieses Credo haben die Festivalveranstalter beibehalten, auch als im kommenden Jahr das legendäre Roskilde Festival das Weißenseer Festival finanziell unterstützte, einfach, weil die Dänen es gut fanden, was die Berliner da so machen. Klasse statt Masse, ist das Motto –  und das zieht sich durch alle organisatorischen und inhaltlichen Themen. „Wir möchten auch etwas für den ökologischen Footprint unserer Besucher“ machen, so Bix. Ausgewählte Säfte und alkoholische Getränke und die Zusammenarbeit mit lokalen Gastronomieanbietern sichern eine ungewöhnlich reichhaltige Festivalversorgung. Und selbstverständlich wird auf Einwegbecher verzichtet. „Wir hatten zunächst Bedenken, Trinkgläser auszugeben, aber unsere Besucher haben uns überrascht“, erzählt Bix. Sie seien sehr gut und umsichtig damit umgegangen. Bix erzählt von Besuchern, die  zerbrochene Gläser um den See herum aufgehoben und entsorgt hätten, damit sich niemand aus Versehen den Fuß aufschneidet – soviel Umsicht wünscht man sich so manches Mal von den gängigen Besuchern des Parks.

Tobi&Bix_©Thomas M. Jauck

Die Festivalleitung: Tobias von zur Ganthen und Birgit Voigt (Foto: Thomas M. Jauck)

Packt die Badehose ein, es geht ins Strandbad!

Schön ist es auch, dass die örtlichen Behörden dem Festival am See positiv gegenüberstehen. Natürlich gibt es Auflagen, an die sich die Festivalveranstalter auch halten, denn niemand möchte Ärger. Deshalb beginnt das „By the Lake Festival“ auch schon um 14.30 Uhr und endet – eher untypisch für Festivals – bereits um 22 Uhr. Interessant ist es, dass einige wenige Anwohner am Weißen See dem Treiben sehr skeptisch gegenüberstehen. Bevor das erste Festival 2015 stattfand, wurden die Anwohner über die Idee informiert. Es kam sofort zu einer Gegenstimme aus der Nachbarschaft – bevor überhaupt feststand, in welchem Umfang und in welcher Art das Festival am Weißen See stattfinden soll. Die Behörden erteilten trotzdem die Erlaubnis, denn eine überwältigende Mehrheit begrüßte die kulturelle Abwechslung. Einige Anwohner lassen es sich trotzdem nicht nehmen, die Polizei zur Location zu schicken. Die konnte bisher aber immer nur mit dem Fuß wippen und der Musik lauschen, denn die eingepegelte Anlage ist genau so laut, wie sie sein darf und das Festival gleicht einem sehr netten Happening – und keiner krawalligen Großveranstaltung. Es spricht für das Festival, dass Nachbarn und andere Weißenseer das Event besuchen und für gut befinden – Ausnahmen gibt es immer. Deshalb freut sich ein nicht unerheblicher Teil von Weißensee auf das diesjährige Festival, dass dieses Mal eine eintägige Veranstaltung im Strandbad Weißensee ist. Im vergangenen Jahr gab es zwei Locations, das Strandbad und die Freilichtbühne Weißensee. „Der enorme Aufwand des Umbaus, den wir bei dem Umzug von einer in die andere Location hatten, war dieses By the lake Festival 2017Mal nicht machbar“, erzählt Bix, „wir haben die Jungs von der Freilichtbühne aber eingeladen, denn die hätten gern wieder ein Konzert bei sich organisiert.“ Die Atmosphäre in der Kulisse der Freilichtbühne wäre im vergangenen Jahr unschlagbar gewesen. Aber so können Besucher in diesem Jahr wieder am Strand fläzen, auf dem Boot schippern und ganz nebenbei wunderbarer Livemusik lauschen.

Das Early-Bird-Ticket ist bereits ausverkauft, ein reguläres Ticket kostet 37,90 Euro – das sollte uns ein hochwertiges Kulturprogramm mit Nachhaltigkeit im Kiez wert sein. Das Frollein hörte mal ins Line-up rein und empfiehlt ganz besonders Janka Nabay & The Bubu Gang. Die extrem tanzbare Musik des Musikers aus Sierra Leone, der der Mitbegründer der Bubu Musik ist,  geht selbst dem eher weniger tanzfähigem Frollein in die Hüften – like! Mindestens genauso empfehlenswert ist die Elektro-Musik von Michael Rother, der der Kultband Kraftwerk entspringt. Am Weißen See werden am 13. August neben ein paar musikalischen Überraschungen außerdem Peter Broderick, der sich den Werken Arthur Russells widmet und die britische Wahl-Berlinerin Perera Elsewhere erwartet. Habt Spaß und esst immer den Teller leer, damit das „By the Lake Festival“ auch in diesem Jahr unter einem guten Stern bzw. einer strahlenden Sonne steht.

Der Online-Radiosender „The Lake“ stimmt euch bereits jetzt auf das Festival am See ein, schaltet mal rein: http://thelakeradio.com
Mehr Infos zum Festival gibt es hier.