„Und, wie war dein Sommer?“-
„Keine Ahnung, an dem Tag musste ich arbeiten.“

Das spiegelt in etwa meine Meinung zu diesem Sommer wider. Der Abstieg begann mit Hagel und Sturmböen im Mai, was nahezu alle Obstbäume in meinem Garten blütenfrei machte. Danach kam einfach lange nichts. Außer Regen. Und mit dem Regen die Nachtschnecken, die wiederum alles an Gemüse und auch Blumen wegfraßen, was ich seit Februar mühsam auf meiner Fensterbank heranzog. So ging das bis jetzt. Ich bin seit Juli fertig mit diesem Gartenjahr und bin jetzt schon gespannt auf das nächste. Denn eines scheint mir klar zu sein: Die diesjährige Witterung ist eine Folge des Klimawandels. Hagel und Starkregen bestimmten die vergangenen Monate, so oder so ähnlich wird es sich auch 2018 fortsetzen. Aber was bedeutet das für mich als Gärtnerin? Ich muss mein Gemüse zum einen vor invasiven Schädlingen schützen, zum anderen muss ich mich auf das Klima einstellen: Obstbaumblüten im Frühjahr vor spätem Frost und Hagel schützen, auf robuste Sorten setzen und alles dafür tun, dass Möhren, Tomaten und Co. keine kalten und nassen Füße bekommen. Was mein kleines Frollein-Universum beschäftigt, muss für die Landwirtschaft ein Horror sein – und der Klimawandel kann für uns alle der Horror werden. Wenn Regen, Hagel und zu niedrige Temperaturen Pflanzen und Blüten zerstören, haben wir keine Grundnahrungsmittel. So einfach ist das. Der Schuh drückt aber auch woanders: Mit weniger Vielfalt an Flora und Fauna haben auch die wichtigen Insekten weniger Lebensraum, Insektizide geben ihr übriges dazu. Mit weniger Bienen und Co. werden aber auch viele Pflanzen und Obstbäume nicht befruchtet. Also selbst wenn die Sonne mal scheint, passiert da nichts. Deshalb setzt man in Ländern wie China bereits auf die Bestäubung per Hand, weil es dort einfach in weiten Teilen des Landes keine Bienen mehr gibt. Irre. Es ist ganz dringend an der Zeit, dass wir uns bewegen und selbst etwas dafür tun, um unser Klima und unser Ökosystem zu retten. In Weißensee gibt es dafür ab sofort ein Projekt: Prima Klima in Weißensee.

Ein Netzwerk für lokalen Klimaschutz in Weißensee schaffen

Seit August wird das auf zwei Jahre ausgelegte Projekt vorbereitet, die Leitung hat Tanja Weiße (solar e.V.) inne. Seit 2011 ist der Verein „soziales leben und arbeiten“ e.V. (solar e.V.) im Kultur- und Bildungszentrum Raoul Wallenberg (KuBiZ) in der Bernkasteler Straße ansässig und arbeitet zu ökologischen Fragen, Demokratie und Partizipation, Antirassismus und Antidiskriminierungsthemen. Da sorgt zumindest der Gemeinschaftsgarten für ein tolles Klima. „Bisher waren wir mehr auf internationaler Ebene aktiv“, erzählt Tanja. Es hat die Diplompädagogin in ihrer Tätigkeit für solar e.V. in viele verschiedene Länder getrieben, um dort zu antirassistischer Bildungsarbeit tätig zu sein und Projekte zu Themen wie Wasser und Nachhaltigkeit oder Flucht und Migration zu initiieren.
„Jetzt möchten wir uns mit diesem Projekt auf der lokalen Ebene mit anderen Initiativen und Projekten vernetzen.“ Kreuzberg hat die Prinzessinengärten und der Prenzlberg den Gemeinschaftsgarten im Mauerpark – noch ist Weißensee nicht sehr gut aufgestellt, was Klimaprojekte und andere Strategien betrifft, um CO2 abzubauen oder einzusparen. Die Berliner Allee als Ausfallstraße gestaltet sich wie eine Schneise, die sich durch Weißensee zieht, grüne Flecken wie der Jüdische Friedhof, der Park um den Weißen See oder verwilderte Orte verteilen sich über Weißensee – ein übergeordnetes Projekt, das Veränderungen anschiebt und Menschen, die sich für den Klimaschutz engagieren möchten, zusammenbringt, fehlt jedoch. Das möchte der Verein mit „Prima Klima“ nun ändern.

Wie baue ich mir ein Lastenfahrrad?

„Wir möchten Interessenten dazu einladen, Weißensee mitzugestalten und sie aktiv einbinden, wenn sie das möchten“, so Tanja. Der solar e.V. selbst hat drei Mitarbeiter und viele Unterstützer, beispielsweise aus dem Bundesfreiwilligendienst. Das „Prima Klima“-Projekt ist kooperativ angelegt, denn es braucht viele Mitstreiter auf verschiedenen Ebenen, um etwas im Kiez zu bewegen.
So sind beispielsweise verschiedene Tagesworkshops geplant, in denen Teilnehmer gemeinsam lernen und partizipieren sollen. Sie können selbst Ideen herantragen und in diesem Rahmen Mitstreiter finden. „Wir möchten keine Askese predigen, sondern zeigen, wie jeder von uns ohne Verzicht auf Genuss etwas für den Klimaschutz tun kann“, sagt Tanja.

Zu diesen Themen sind Workshops geplant:

  • Der Klimawandel und seine Folgen
  • Koch-Workshop: Welche Gerichte sind “klimafreundlich” und weshalb?
  • Mobilität – wie können wir umweltfreundlich mobil sein?
  • Energie – was kann im Alltag verändert werden?
  • Wasser – Auswirkungen des Klimawandels auf den Wasserkreislauf und nachhaltiger Wasser-Konsum
  • Ressourcennutzung – Zusammenhang Ressourcenverbrauch und Klimawandel
  • Wie baue ich mir ein Lastenrad?

Außerdem sind Zukunftswerkstätten geplant, in denen gemeinsam an Strategien für mehr Klimaschutz im Alltag und im städtischen Umfeld gearbeitet wird. Vielleicht eine tolle Möglichkeit, um auch mit den politischen Vertretern des Bezirks ins Gespräch zu kommen. An zwei weiteren Wochenenden sollen in Open Spaces kreative öffentliche Aktionen kreiert werden, die publikums- und medienwirksam auf das Thema Klimaschutz im eigenen Kiez aufmerksam machen sollen. Im 2-Jahres-Plan ist außerdem eine Klimaschutz-Ausstellung geplant, an der sich Jung wie Alt beteiligen kann. „It‘s our future!“ ist ein Teil des Projektes, der vor allem Kindern und Jugendlichen Raum dafür lässt, sich mit dem Thema Klimaschutz und dessen Auswirkung auf das eigene Leben auseinanderzusetzen. Aktionstage, ein Filmprojekt und ein Theaterstück gehören zu den umfangreichen Angeboten. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit finanziert das Projekt „Klima Prima“ – es liegt an den Weißenseern und Engagierten aus der Nachbarschaft, die Initiative mit Ideen, Aktionen und Leben zu füllen. Gegen Starkregen lässt sich schlecht protestieren und einen Workshop zur Schneckenbekämpfung wird es wohl auch nicht geben – aber vielleicht können wir im Kleinen etwas bewegen, um das Klima der Zukunft zu retten.

Erster Schritt: Präsenz zeigen

Bevor es in die Inhalte geht, stehen in den nächsten vier Wochen zwei Workshops an, in die sich Interessierte mit KnowHow und Ideen einbringen können. Das Projekt möchte öffentlich präsent sein, deshalb wird zunächst ein Logo entwickelt und in einem zweiten Schritt eine Webpräsenz konzipiert.

Next:

Montag.: 18.9.2017, 17:00-20:00: Workshop Logo Entwicklung (mit der Open Source Software Inkscape)
Donnerstag.: 5.10.2017, 17:00-20:00: Workshop Webblog Konzeption und Design (mit WordPress)
Beide Workshops sind kostenlos, eine Anmeldung erwünscht (Kontakt siehe unten).

Am 16. September ist der solar e.V. mit dem Prima Klima-Projekt auf der RENNsation mit einem Infostand vertreten, kommt gern vorbei.

Ab dem 2. November wird der Klima-Point im KuBiZ immer donnerstags zwischen 16 und 18.30 Uhr eine Informationsstelle für alle sein, die sich zum Klimaschutz im Alltag informieren möchten.

„Prima Klima in Weißensee“ vor Ort:

KuBiZ (Kultur- und Bildungszentrum in Weissensee)
Bernkasteler Str. 78, 13088 Berlin
Kontakt: primaklima@solarev.org
030-86 87 01 519

Mehr Infos zum Klimaschutz-Projekt.