Cordula lebt im Dorf bei Maxe, will aber auch ihre Wohnung in Neubrandenburg nicht aufgeben. © Neue Visionen Filmverleih

Cordula lebt im Dorf bei Maxe, will aber auch ihre Wohnung in Neubrandenburg nicht aufgeben. © Neue Visionen Filmverleih

Der bunte und vielseitige Dokumentarfilm „Am Ende der Milchstraße“ erzählt an einem Beispiel aus dem bewegten Leben in den verlassenen Regionen Deutschlands. Der Film mit Gespräch wird am 8. Januar 2014 im Kino Toni am Antonplatz aufgeführt.

Mangel macht einig

Es spielt fast keine Rolle ob man im Osten oder im Westen Deutschlands aufgewachsen ist: Wer die Vorwendezeit erlebt hat oder seine Eltern davon erzählen hört, der wird oft mit dem Spruch konfrontiert: Früher war alles besser. Die

Menschen hielten noch zusammen und es gab eine Gemeinschaft. Dieses Einigkeitsgefühl hatten vor allem die Bürger in der DDR, die von einem chronischen Mangel geprägt war. Da man nichts hatte, musste man vom Tausch leben und darben. Heute, mehr als 20 Jahre nach der Wiedervereinigung haben auch die Menschen in Ostdeutschland theoretisch den Zugang  zu schier unendlich vielen Kosumwaren. Dafür haben die neuen Bundesländer noch immer mit einer starken Abwanderung zu kämpfen, der Konsument ist nur in den Ballungsgebieten zu finden.

 

Gibt es ein Recht auf Heimat?

Im Bericht zur Deutschen Einheit des Jahres 2013 wird zwar ausgewiesen, dass dem Rückgang der ostdeutschen Bevölkerung in den vergangenen Jahren  abgeholfen werden konnte – im Jahr 2012 sind nur rund 2000 Menschen von Osten nach Westen gezogen. Trotzdem ziehen viele Menschen in die angesagten Großstädte wie Leipzig oder Dresden. Die Landbevölkerung schrumpft hingegen rasant schnell. Die Menschen die dort leben haben von

Gabi genießt die Zeit mit ihren Tieren, auch ihre beiden älteren Söhne leben noch auf dem Hof. © Neue Visionen Filmverleih

Gabi genießt die Zeit mit ihren Tieren, auch ihre beiden älteren Söhne leben noch auf dem Hof. © Neue Visionen Filmverleih

einem wirtschaftlichen Aufschwung der Republik nichts zu erwarten. In den schwarzen Flecken in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg gibt es wenig Arbeitsstellen, ein zurückgehendes Kulturangebot und keine Aussicht auf Verbesserung. Aber sollte man seine Heimat verlassen, sich umpflanzen, um  woanders sein Glück zu finden? Oder hat man ein Recht auf Heimat?

 

 

Am Ende der Milchstraße zählt der Zusammenhalt

In ihrem Film „Am Ende der Milchstraße“ portraitieren die Regisseure Leopold Grün und Dirk Uhlig ein kleines Dorf im Nirgendwo von Mecklenburg-Vorpommern. Dort leben rund 50 Seelen in einer eingeschworenen Dorfgemeinschaft. Hier findet der Satz auch oft Anwendung. Früher war alles besser. Die Menschen hier führen ein einfaches Leben, das von

Cordula versucht sich mit dem Dorfleben zu arrangieren, nur manchmal sehnt sie sich nach etwas Leben abseits von Gartenarbeit und Viehzeug. © Neue Visionen Filmverleih

Cordula versucht sich mit dem Dorfleben zu arrangieren, nur manchmal sehnt sie sich nach etwas Leben abseits von Gartenarbeit und Viehzeug. © Neue Visionen Filmverleih

körperlicher Arbeit geprägt ist. Aber sie sind glücklich, denn sie haben sich. Bauer Maxe wohnt hier mit seiner Freundin Cordula, die nur für ihn aufs Land gezogen ist. Die fünffache Mutter Gabi lebt hier mit ihren Söhnen, die ihr Glück nicht außerhalb des Dorfes gefunden haben und deshalb arbeitssuchend wieder zurückgekommen sind. Sie leben am Existenzminimum und auch hier gilt: Not macht erfinderisch. In einem Dorf kennt jeder jeden und man ist aufeinander angewiesen. Hier blüht noch das Tauchgeschäft wie in alten Zeiten, wenn auch unter erschwerten Bedingungen. Und so kommt es auch, dass man die Vergangenheit gern verklärt – natürlich zum Besseren.

 

Was zählt am Ende?

Dass für viele Menschen das Ende der DDR das Ende von allem war, das erzählt auch Maik. Was aus dieser Zeit aber zumindest in den ländlichen Regionen geblieben ist, ist der Zusammenhalt, der in schnelllebigen Großstädten oft fehlt. Dafür verzichtet man auf die Möglichkeit sein Leben frei zu gestalten. Aber ist man in der „Fremde“ – mit Job und quirligem Leben – glücklicher? In diesem Dokumentarfilm werden viele Fragen aufgeworfen: Darf man von einem Menschen die vielerseits verlangte und gewohnte Flexibilität verlangen? Müssen wir als Arbeitsnomaden

Oli lebt mit seiner Frau Lydia auf dem elterlichen Grundstück. © Neue Visionen Filmverleih

Oli lebt mit seiner Frau Lydia auf dem elterlichen Grundstück. © Neue Visionen Filmverleih

leben? Nimmt sich ein Land wie Deutschland nicht ein Stück Identität und Kultur, wenn ein (Über)-leben nur in Großstädten möglich ist? Und letztendlich bleibt die Frage: Wie sind wir glücklich? Oder: wo finden wir das Glück? Solche und andere Fragen zu dem facettenreichen Dokumentarfilm „Am Ende der Milchstraße“ kann man in dem Gespräch diskutieren, das sich der Filmvorführung anschließt.

 

 

 

Ort und Zeit für Kultur in Weißensee

Kino Toni am Antonplatz

Am Ende der Milchstraße

8. Januar 2014, ab 19.30 Uhr

Gäste sind zum Gespräch nach der Filmvorführung anwesend