Das Zentrum Weißensees wird durch den Antonplatz und das präsente Kino Toni bestimmt. Seit mehr als 90 Jahren kann man hier Filme schauen, nach und nach ging der Stummfilm in den Tonfilm über – ansonsten ist das Kino noch immer herrlich bescheiden.

Betritt man das Kino Toni kurz vor Beginn einer Vorstellung, fühlt man sich unweigerlich in eine frühere Zeit versetzt. Es ist still im Foyer, keine laute Reklame stört den Besucher, nur ein paar Flyer und Broschüren liegen aus. Die Eintrittskarte kommt noch immer von der Rolle und wird per Hand vergeben und wenn das Lieblingseis aus ist, dann gibt es so schnell keinen Nachschub. Man hat die Wahl zwischen zwei Kinosälen – dem großen Saal Toni und dem kleineren Tonino. Auch hier geht es beschaulich zu, große Blockbuster-Werbung sucht man vergebens und im großen Saal geht tatsächlich noch zu Beginn des Films der Vorhang auf. Dass es das Kino Toni heute noch gibt, ist dem Regisseur Michael Verhoeven zu verdanken.

Wie aus den Decla-Lichtspielen das Kino Toni wurde

Im Jahr 1919 wurde auf dem Antonplatz das „Wohnhaus mit Lichtspieltheater“ erbaut, ein Jahr später am 4. September wurden die „Decla-Lichtspiele“ mit 700 Plätzen eröffnet. Gab es zunächst Stummfilme zu sehen, rüstete das Kino bereits 1929 auf Tonfilm um. Nach der Fusionierung von Decla und UFA wurde das Kino in UFA-Theater umbenannt. Die Kriegsjahre überstand das Gebäude relativ unbeschadet, nachdem die UFA jedoch 1945 enteignet und durch das Sojusintorgkino übernommen wurde, musste es geschlossen werden. Sowohl die Bestuhlung der Kinosäle wie auch die technischen Anlagen wurden geplündert.
Es ging jedoch schnell vorwärts. 1947 übernahm der Privatinvestor Bendel das Kino und sanierte es, so dass es zu Weihnachten 1948 bereits wiedereröffnet werden konnte. Unter dem Namen Toni Film-Bühne stellte das Kino nun 628 Plätze zur Verfügung. 1954 wurde die Leuchtreklame angebracht, deren Nachfolger heute vor allem abends den Antonplatz prägt.
In den kommenden Jahren musste das Kino einiges einstecken. 1956 hatte ein starker Besucherrückgang den Entzug des Premierenrechts zur Folge, 1979 wurde das Toni durch die Staatliche Bauaufsicht geschlossen, das Magistrat übernahm das Gebäude und die Bezirksdirektion Berlin verwaltete das Kino. 1980 begannen umfangreiche Rekonstruktionsarbeiten, so dass das Kino unter seinem heutigen Namen „Kino Toni“ am 23. Juli 1982 mit 277 Plätzen, einem großzügigem Foyer mit Garderobe und einer neuen Leuchtreklame wiedereröffnet werden konnte. 

Michael Verhoeven übernimmt

Im Jahr 1992 bekam das Kino Toni seinen heutigen Besitzer: Michael Verhoeven. Der Berliner Regisseur begann seine Schauspielkarriere in den 50er-Jahren in Filmen wie Kästners „Das fliegende Klassenzimmer“ oder „Der Pauker“ mit Heinz Rühmann. Nach einem Medizinstudium, das er mit seiner Promotion abschloss, ging er in das Regie-Fach über. Sein Anti-Vietnam-Kriegsfilm „o.k.“ wurde im Wettbewerb der Berlinale 1970 gezeigt. Der Skandal war so groß, dass der Wettbewerb abgebrochen wurde – welcher Film das heute noch schaffen würde? Michael Verhoeven gilt als ein wichtiger deutscher Regisseur, der sich der Politik widmet. 1982 verfilmte er die Geschichte der Geschwister Scholl, die mit ihrer Gruppe „Die weiße Rose“ Wiederstand gegen den Nationalsozialismus leisteten und mit dem Leben bezahlten. Für seinen Film „Das schreckliche Mädchen“ wurde er in der Sparte „Bester ausländischer Film“ für den Oscar nominiert.  Nachdem er das Kino Toni übernahm, kaufte er 1995 auch das Berliner Filmtheater am Friedrichshain.

Ausgezeichnetes Kinoprogramm am Antonplatz

Michael Verhoeven ist es zu verdanken, dass es auch den kleinen Tonino-Saal gibt. Nachdem er das Gebäude der Treuhand abkaufte, ließ er es 1996 bei laufendem Betrieb um- und ausbauen. Am 22. Januar 1997 wurde das Kino mit dem großen Saal mit 275 Plätzen und dem kleinen Tonino mit 102 Plätzen wiedereröffnet. Nachdem 2007 ein Brand den kleinen Saal zerstörte, wurde das Tonino neu gestaltet und mit neuer Technik versehen. 2012 und 2013 wurden beide Säle auf die moderne digitale Projektion umgestellt.
Heute ist das Kino Toni ein beliebter Treffpunk für Fans von originellen und qualitativen Filmen aus Deutschland und Europa. Einen besonderen Schwerpunkt haben Zeichentrick-, Animations- und Realfilme die sich an Kinder wenden. Auch filmische Reiseberichte und Dokumentarfilme findet man im ausgewählten Programm. Zu der besonderen Atmosphäre tragen auch die Diskussionsrunden bei, zu denen oftmals Regisseure den Weg ins Kino finden und sich den Fragen des Publikums stellen. Das Kino Toni war in der Vergangenheit bereits fünf Mal Spielstätte der „Berlinale goes Kiez“, auch Filme des Jüdischen Film Festivals Berlin Potsdam wurden hier gezeigt und mit anwesenden Protagonisten und Regisseuren diskutiert. Für sein Programm erhielt das Kino Toni bereits mehrmals den Kinoprogrammpreis, mit dem das Medienboard Berlin-Brandenburg das Engagement und die Programmgestaltung der Berliner Kinomacher auszeichnet. Es bleibt zu hoffen, dass es in einem der ältesten Kinos Berlin noch lange Zeit heißen wird: Film ab!

Das Kino Toni im Internet

www.kino-toni.de

Das Kino Toni vor Ort

Kino Toni am Antonplatz
Antonplatz 1
13086 Berlin

 

In der Rubrik “Nebenan am See” wird jede Woche ein herausragendes Geschäft, Projekt oder eine Person aus Weißensee vorgestellt.