Neben dem Antonplatz ist der Mirbachplatz einer der einprägsamsten Orte Weißensees. Das verdankt der Platz, der gar nicht zu begehen ist, der Ruine der Bethanienkirche. Wie ein Mahnmal ragt sie empor und ist so schon von weitem zu sehen.

Bei schönem Wetter strahlt der Bethanienturm mit seinem Backsteinbau (Foto: Christiane Kürschner).

Bei schönem Wetter strahlt der Bethanienturm mit seinem Backsteinbau (Foto: Christiane Kürschner).

Gründung von Neu-Weißensee

Was hat es mit der Bethanienkirche auf sich? Sie ist dem Weißenseer Bevölkerungszuwachs um die Wende von 1900 zu verdanken. Die eigentliche evangelische Kirche befindet sich noch heute in der Berliner Allee/ Ecke Falkenberger Straße. Die alte Feldkirche aus dem 13. Jahrhundert stand im Mittelpunkt des Dorfes Alt-Weißensee. Durch den Boom der Gründerjahre und dem Wirken von Gustav Adolf Schön wurde Weißensee vor den Toren Berlins immer beliebter und es entstand eine neue Siedlung, Neu-Weißensee. Da auch die Plätze in der Pfarrkirche nicht mehr ausreichten, entschloss man sich eine neue, größere Kirche zu erbauen.

Man sieht noch gut die Ansätze zum Kirchenschiff (Foto: Christiane Kürschner).

Man sieht noch gut die Ansätze zum Kirchenschiff (Foto: Christiane Kürschner).

Der Kaiser war Taufpate

Zwischen 1900 und 1902 wurde die Kirche im neogotischen Stil erbaut. Benannt wurde sie wortwörtlich nach dem „Haus der Armen“. Zurück geht der Name auf den biblischen Wohnort der Geschwister Martha, Maria und Lazarus. Dort soll über dem Grab des Lazarus eine Kirche erbaut worden sein.
Nachdem die Bethanienkirche nach Plänen des Architekten und Geheimen Rats Ludwig von Tiedemann und von Robert Leibnitz mit dem 65 Meter hohen Turm erbaut wurde, konnte das Gotteshaus am 26. Oktober 1902 eröffnet werden. Neu-Weißensee hatte nun eine Kirche mit über 1000 Plätzen. Aus dem nahen Wernigerode stammte der Altar und die Kanzel, beide wurden von der Firma Gustav Kuntzsch angefertigt. Der steinerne Kanzelfuß stammte hingegen vom Berliner Steinmetzmeister Otto Plöger. An der feierlichen Eröffnung nahmen auch Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin Auguste Victoria teil. Zur Würdigung erhielt eine der drei Glocken des Kirchengeläutes den Namen „Auguste Victoria“.

Der Bethanienturm am Mirbachplatz in trauter Runde mit dem evangelischen Gemeindehaus (Foto: Christiane Kürschner).

Der Bethanienturm am Mirbachplatz in trauter Runde mit dem evangelischen Gemeindehaus (Foto: Christiane Kürschner).

Aussicht: Profane Nutzung für Bethanienturm

Lange konnte man das imposante Bauwerk nicht bewundern. Am 26. Februar 1945 zerstörte eine Luftmine den größten Teil des Prachtbaus. Allein der Turm hat die kriegerischen Zeiten überlebt und mit ihm das Geläut. Sehr schön ist noch heute zu erkennen, dass der untere Teil des Kirchturms aus Kalksandstein gefertigt wurde, der obere Teil hingegen mit rot strahlendem Backstein ausgeführt worden ist.
Es gab keine konkreten Pläne die Bethanienkirche nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wieder aufzubauen. Das Grundstück auf dem die Ruine steht gehört mittlerweile einem Berliner Investor, der seit einigen Jahren einen Wohnungsbau plant, der den Turm architektonisch integriert. Die anliegende evangelische Gemeinde Weißensee darf jedoch weiterhin das Glockenspiel nutzen, das man zu besonderen Anlässen erklingen hört. Ende des Jahres 2014 wurde die Technik des Geläuts mutwillig zerstört, konnte aber wieder in Stand gebracht werden. Es bleibt also spannend und klangvoll am Mirbachplatz.

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Der Bethanienturm am Mirbachplatz aus der Perspektive der Max-Steinke-Straße Richtung Antonplatz (Foto: Christiane Kürschner).

In der Rubrik “Nebenan am See” wird jede Woche ein herausragendes Geschäft, Projekt oder eine Person aus Weißensee vorgestellt.