Am kommenden Sonntag begeht der Verein des Frei-Zeit-Hauses in der Pistoriusstraße seinen 25. Geburtstags. Die beste Gelegenheit um einen Blick zurück und nach vorn zu werfen.

Stadthalle in Weißensee

Der Blick von der heutigen Pistoriusstraße auf die Stadthalle von Weißensee (Foto: Heimatfreunde Weißensee).

Ein Haus wird besetzt

Am 6. Juni 1990 taten sich die Gründungsmitglieder des Frei-Zeit-Haus e.V. zusammen und weckten das bereits stark in Mitleidenschaft gezogene Haus im Munizipalviertel Weißensees aus dem Dornröschenschlaf. Bis 1988 nutzten verschiedene Einrichtungen für Kinder das Gebäude, das einst nur ein Nebengebäude der Neu-Weißenseer Stadthalle war. Als es selbst für Kinder zu unwirtlich in dem Haus wurde, nahmen sich verschiedene Freizeitgruppen dem ehemaligen Restaurants Neu-Weißensees an. Verschiedene Senioren aus einer Gymnastik- und Wandergruppe sowie der Veteranenclub der Volkssolidarität, der eine Zeit lang in der Brecht-Villa der heutige Berliner Allee untergekommen war, besetzten das Haus und gründeten einen Verein. Der Bezirksrat hatte kurz nach der Wende andere Dinge zu tun, als aktiven Weißenseern ohne Vereinsheim weiterzuhelfen – man ließ sie mit ihrer Besetzung aber auch gewähren. In den kommenden Jahren wurde das Gebäude renoviert und saniert – es gab eine Menge zu tun, um dem einzig erhaltenen Teil der Stadthalle wieder zu neuem Glanz zu verhelfen.

Stadthalle Weißensee Berlin

Auf der linken Seite erkennt man die Stadthalle von Weißensee (Foto: Heimatfreunde Weißensee).

 

Die Stadthalle – Das Herz des Munizipalviertels

Die Ursprünge des Hauses liegen im Jahr 1905, als Neu-Weißensee und das Dorf Weißensee gemeinsam zu einem attraktiven Anziehungspunkt für Berliner wurden. Bürgermeister Carl Woelck und der Gemeindebaurat Carl James Bühring planten voller Eifer das bürgerliche Zentrum Weißensees, das Munizipalviertel. Im Mittelpunkt dieses Zentrums stand die Stadthalle, die am 26. September 1908 eingeweiht werden konnte. Mehr als 1000 Personen konnten sich in der Halle zu kulturellen und öffentlichen Veranstaltungen treffen, zu der Anlage gehörten auch kleinere Turnhallen, vier Kegelbahnen, Badeeinrichtungen, ein Turnplatz sowie das Restaurant. Stilistisch passte sich die Weißenseer Stadthalle am Schwanenteich – heute Kreuzpfuhl – in das Ensemble aus Gymnasium, dem Wasserwerk und den Wohnungen des Munizipalviertels an, Ziegel und Glas dominierten den opulenten Bau. Genutzt wurden die Räumlichkeiten in den ersten Jahren von dem Gastwirt Reichardt, später von Gastwirt Borck, bevor die Stadthalle im Ersten Weltkrieg von einer Garnison eingenommen und das ehemalige Restaurant zum Garnisons-Casino umfunktioniert wurde. Nach dem Ende des Krieges und dem Auszug der Garnison konnte der bekannte Heiden-Heinrich aus der Langhansstraße von sich überzeugen. Der Theaterunternehmer durfte ab 1920 als Pächter der Stadthalle wirken und bot den Weißenseern Theater- und Varietévorstellungen, die sich oft auf lokale Themen und Personen stützten. Dies waren die goldenen Zeiten der Stadthalle, die ein Magnet für das ansässige Publikum und Besucher aus dem nahen Berlin wurde. Zu den Höhepunkten zählten auch Boxkämpfe und kulturelle Veranstaltungen auf der Mitte der 1920er Jahre erbauten Sommerbühne im Freien. 1932 wechselte der Pächter, da Heiden-Heinrich das Wirtshaus am Orankesee als seine neue Wirkstätte auserwählt hatte. Es folgte Kurt Salzer und wahrscheinlich ein weiterer Pächter, bis die Stadthalle am 26.2. 1945 durch eine Fliegerbombe nahezu vollständig zerstört wurde. Allein das Offiziers-Casino blieb unzerstört und wurde wieder als Restaurant und teilweise als Sanitär- und Lagerräumlichkeiten genutzt. Ab 1952 war hier zunächst ein Kindergarten, ab 1963 ein Kinderheim und später ein Sprachheilkindergarten untergebracht. Dann stand das Gebäude leer, bis neues Leben einzog.

Stadthalle am Kreuzpfuhl in Weißensee

Die Stadthalle hinter dem damaligen Schwanenteich, heute Kreuzpfuhl (Foto: Heimatfreunde Weißensee).

Das Frei-Zeit-Haus als Treffpunkt für Weißenseer

In diesen Tagen kann man auch wieder Kinderlachen in und um das sanierte Gebäude der damaligen Stadthalle hören. Das Frei-Zeit-Haus hat sich in den vergangenen Jahren zu einem beliebten Treffpunkt für Weißenseer entwickelt. Viele ältere Bürger kennen das Gebäude noch aus der Wendezeit, in der sich der Verein ‚Frei-Zeit-Haus‘ gründete. Heute werden verstärkt Kurse für junge Mütter, Kinder und Babys angeboten. Erst Ende Mai 2015 fand ein Nachbarschaftsbrunch im Grünen statt, zu denen Alt und Jung eingeladen waren. Es wurde gemeinsam gegessen, gelacht und sich ausgetauscht – die nächste Generation entdeckt das Frei-Zeit-Haus für sich. Zentrum des Hauses ist der große Festsaal im Jugendstil, der für Feierlichkeiten gegen eine geringe Gebühr gemietet werden kann. Im Haus befinden sich aber auch Räumlichkeiten zum Gestalten mit Keramik, es gibt regelmäßige Treffen in Sportgruppen, Gesprächsgruppen oder zu anderen Zwecken, eine Filmgruppe nutzt einen Raum im Kellergeschoss. Jeder der eine Gruppe gründen möchte kann im Frei-Zeit-Haus anfragen, zu welchen Zeiten Räume zur Verfügung stehen – es gilt das Prinzip des offenen Hauses.
Zu dem Verein des Frei-Zeit-Hauses gehören jedoch noch mehr Einrichtungen, die aktive Weißenseer sicher kennen. Der CharlotteTreff, das Familienzentrum Weißensee, die Freiwilligenagentur Pankow, der Kinderladen Plappertasche sowie die Selbsthilfe-Kontaktstelle Horizont und der Kinderladen Anton & Lola gehören zu dem Weißenseer Verein, der in der Pistoriusstraße sein Zentrum hat. Am  14. Juni stehen die Türen zwischen 15 und 18 Uhr offen, wenn das Jubiläum mit einem Sommerfest gefeiert werden.

Frei-Zeit-Haus Berlin Weißensee

Der Garten vom Frei-Zeit-Haus wird heute mehr denn je von jungen Weißenseern genutzt.

Das Frei-Zeit-Haus vor Ort

Frei-Zeit-Haus e.V.
13086 Berlin
Pistoriusstraße 23
Tel: 030 / 92 79 94 63
Fax: 030 / 92 79 94 64

info@frei-zeit-haus.de

Das Frei-Zeit-Haus im Internet

http://frei-zeit-haus.de

In der Rubrik “Nebenan am See” wird jede Woche ein herausragendes Geschäft, Projekt oder eine Person aus Weißensee vorgestellt.

Bildnachweis Titel: Der Blick von der heutigen Pistoriusstraße auf die Stadthalle von Weißensee (Foto: Heimatfreunde Weißensee).