Im heutigen Beitrag beschäftigen wir uns mit DEM Thema, das Weißensee seit Anfang des Jahres umhertreibt. Vielleicht gilt das auch nur für die Bewohner der Berliner Allee. Vielleicht auch nur für mich.

Das stinkt gewaltig: Die Berliner Allee nimmt das Tempo heraus

Ende 2015 wurde in der Presse verkündet, dass Anfang Januar 2016 ein Urteil zu Tempo 30 auf der Berliner Allee gefällt werden soll. Und tatsächlich: Gleich in der ersten Januarwoche entschied das Gericht, dass ab sofort zwischen Rennbahnstraße und Indira-Ghandi-Straße ein Tempo 30-Limit gelte. In der oberen Berliner Allee, zwischen Pistoriusstraße und Indira-Ghandi-Straße gilt schon ein 30er-Limit – nur das sich niemand daran hält. Weder die vorbeidonnernden Lkw, noch die Autos. Selbst bei der Tram ist man sich manchmal nicht sicher, ob sie die Schallmauer durchbrechen möchte.
Ein Anwohner der unteren Berliner Allee hatte geklagt, Gründe waren die hohe Schadstoffbelastung und der Lärm. Und tatsächlich wurde eine zu hohe Belastung an Schadstoffen in der Luft sowie eine enorme Überschreitung der Lärmgrenze gemessen. Die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat nun Berufung gegen das Urteil angekündigt. Das Urteil sei nach Pressemeldungen nicht angemessen für eine der wichtigsten Hauptverkehrsadern Berlins.

Wo kein Kläger… – Alles wie gehabt

Berliner Allee Weißensee.Man muss nun aber sagen: Seit das Tempo 30-Limit gilt, gibt es auf der Berliner Allee weder Stau, noch kommen die Busse und Trams zu spät. Es scheint möglich zu sein, mit dieser Bestimmung zu leben. Es ist zu hoffen, dass die Berufung keinen Erfolg haben wird. Ob sich die Luft und Lärmbelästigung durch das Limit wirklich verbessern, bleibt hingegen auch abzuwarten. Denn Tatsache ist: Das Limit allein reicht nicht, es muss auch überwacht werden. Und dies ist auch in der bereits bestehenden 30er-Zone bisher nie der Fall gewesen – zumindest sieht man kein Personal, das mit mobilen Blitzern ausgestattet zu sein scheint. Und so wird es wohl weiter über die Allee rumpeln. Besonders schade an diesem Fall ist das fehlende Verständnis von den Mitbürgern. In Sozialen Netzwerken kann man lesen, dass man sich als Bewohner der Berliner Allee nicht so haben solle. Schließlich wohne man nicht auf dem Dorf, der Verkehr muss eben fließen. Wen das störe, der solle doch auf das Land ziehen und nicht in der Hauptstadt wohnen –  so oder so ähnlich ist es zu lesen.

Berliner Allee: No-Go-Area für Pflanzenliebhaber

Natürlich wird die Berliner Allee niemals ein so ruhiger Ort wie die Dahlemer Stadtrandsiedlungen sein. Und man hat sich auch damit abgefunden, dass die Bürgersteige der Allee nicht dazu taugen, mit niedlichen Straßencafès bestückt zu werden. Und doch habe ich doch auch als Anwohnerin der Berliner Allee ein Recht darauf, meine Fenster öffnen zu dürfen. Im Moment ist das nicht machbar, weder tagsüber noch nachts. Sobald die Fenster in einem Raum geöffnet sind, wird man mit einer enormen Geräuschkulisse konfrontiert. Tagsüber versteht man sein eigenes Wort nicht. Das hat auch zur Folge, dass man den eigentlich ganz idyllischen Balkon nicht nutzen kann. Es ist in Ordnung, dass ich den Balkon nicht zum sonntäglichen Frühstück nutzen kann. Wirklich, das war mir vor dem Einzug bewusst. Dass jedoch jegliche Versuche diesen Balkon zu begrünen scheitern würden, weil sich innerhalb von wenigen Tagen eine schwarze Rußschicht über die Pflanzen legt, das ahnte ich nicht. Dementsprechend lohnt es sich auch kaum die Fenster zu putzen, da sie innerhalb von kürzester Zeit mit einer rußigen Schicht überzogen werden. Aus politischer Sicht heißt es dieser Tage, dass man die wichtige Rolle der Berliner Allee in Hinsicht auf den Verkehr nicht vergessen und unterschätzen dürfe – und deshalb dieses jämmerliche Tempo 30-Limit auf nicht einmal einem Kilometer Strecke nicht handhabbar sein. Als Bewohnerin möchte ich darauf hinweisen, dass man sich aber auch in einem Randstadtteil wohlfühlen dürfen sollte. Von daher wäre es ein erster Schritt in die richtige Richtung, wenn Autofahrer sich an das Tempolimit halten würden – dasselbe gilt für Tramfahrer.

 

Die Diskussion im Internet

Morgenpost, 4.1.16
BZ, 4.1.16
Berliner Zeitung, 4.1.16
Tagesspiegel, 4.1.16
RBB, 4.1.2016
Tagesspiegel, 5.1.16
Morgenpost, 5.1.16

In der Rubrik “Nebenan am See” wird alle zwei Wochen ein herausragendes Geschäft, Projekt oder eine Person aus Weißensee vorgestellt.