Wahlen 2016 berlinAm 18. September finden die Wahlen zum Abgeordnetenhaus von Berlin und zu den Bezirksverordnetenversammlungen statt. Das Frollein fragte sich, wer eigentlich in Weißensee zur Wahl steht. Eine Recherche später waren alle Kandidaten gefunden und hier sollen sie nun in den kommenden Tagen vorgestellt werden. Alle beantworten dieselben fünf Fragen, alle Antworten werden original wiedergegeben. Der erste Kandidat: Dennis Buchner.

Wer ist Dennis Buchner?

Was den geborenen Lübecker schon einmal über die Maßen sympathisch macht: Er hat an demselben Tag Geburtstag wie das Frollein. Er studierte Politische Wissenschaften, Soziologie und Neuere Geschichte in Bonn, wo er auch seine ersten politischen Schritte machte. Im Jahr 2002 zog es ihn für ein Praktikum in der SPD-Parteizentrale nach Berlin und er blieb. Seither ist er für die SPD tätig, 2005 beendet er schließlich sein Studium als Diplom-Politikwissenschaftler – von der Materie sollte er also Ahnung haben. Was nicht umbringt, macht stark. Getreu diesem Motto wohnte Dennis Buchner eine Zeit lang direkt an der Berliner Allee. Nun wohnt er wohl ein paar Fahrradminuten von Weißensee entfernt. Was das wohl bedeutet und wie schnell er wohl radeln kann? Die schicke Einfamiliensiedlung hinter dem Orankesee? Oder vielleicht der Plattenbau am Hohenschönhausener Tor mit den riesigen Balkonen? Oder ist er etwas Prenzlberger? Wie auch immer, er mag Weißensee. Deshalb stellt er sich im Wahlkreis Weißensee-Nord, Blankenburg, Stadtrandsiedlung Malchow als Kandidat für die Wahl in die Bezirksverordnetenversammlung.

1. Was ist Ihr Lieblingsort in Weißensee?

Mein Lieblingsort in Weißensee ist tatsächlich der Weiße See, sehr gerne im Strandbad an einem sonnigen Tag bei Bier und Bratwurst auf der Terrasse.

2. Was verbinden Sie mit Weißensee?

Neben dem Weißen See natürlich vor allem den jüdischen Friedhof und die Geschichte als Filmstadt. Deswegen habe ich mich sehr dafür eingesetzt, auf beides stärker hinzuweisen. Inzwischen ist der Friedhof auf den Haltestellenschildern der BVG am Antonplatz und an der Albertinenstraße markiert und zur Geschichte der Filmstadt wird eine Dauerausstellung konzipiert.

3. Weißensee wird immer mehr ein beliebter Wohnort. Die Mieten steigen und es werden schnell Eigentumswohnungen hochgezogen. Alteingesessene fühlen sich überrumpelt und können sich die Mieten nicht mehr leisten. Wie möchten Sie diese Situation in Zukunft entspannen?

Den Trend, das mehr Wohnungen entstehen, werden wir nicht aufhalten können – Berlin hat im Moment jährlich mehr als 40.000 Zuzüge. Entscheidend ist, dass die Mischung weiter stimmt. Milieuschutz im Langhansstraßenkiez ist ein Beispiel. Private Investoren müssen bei großen Bauprojekten mindestens einen Teil an günstigen Wohnungen bauen. Insgesamt können wir uns aber in Weißensee glücklich schätzen: Wir haben viele Tausend Wohnungen in Genossenschaften, ganze Gebiete z.B. entlang der Schönstraße, in der Neumagener Straße, der Piesporter Straße, der Wigandsthaler Straße, der Falkenberger Straße. Dazu kommen noch einmal viele Wohnungen in den städtischen Gesellschaften. Dieses zu erhalten, ist die Grundvoraussetzung dafür, Weißensee bezahlbar zu halten. In einem ganz konkreten Fall habe ich geholfen, eine Bebauung mit Wohnungen zu verhindern. Am Standort der ehemaligen Boxhalle am See will ich auch weiterhin, dass dort etwas Sportliches passiert und nicht Eigentumswohnungen entstehen. Gleiches gilt auch für das ehemalige Kulturhaus Peter Edel. Es wäre ein leichtes,
das Ding an einen Investor zu verkloppen, der dort Wohnungen und einen Biomarkt baut. Weißensee braucht aber auch kulturelle Angebote. Deswegen macht es Sinn, eine gemeinnützige Nutzung zu realisieren, auch wenn dies länger dauert. Der Spitzenkandidat der AfD hat gerade geäußert, dass man die städtischen Wohnungen doch alle verkaufen sollte. Das Gegenteil ist richtig! Wir müssen noch mehr Wohnungen in Landesbesitz haben. Und es ist gut, dass auch die städtischen Gesellschaften in Weißensee neue Wohnungen bauen.

4. Flaniermeile oder Zubringerstraße: Was soll Ihrer Meinung nach in den kommenden Jahren mit der Berliner Allee passieren?

Die Berliner Allee ist eine Bundesstraße, insofern gibt es keine einfachen Lösungen. Wir brauchen schnellstmöglich eine Umgestaltung des Abschnitts zwischen Indira-Gandhi-Straße und Rennbahnstraße, vor allem zugunsten von Radfahrern – für die es hier wirklich gefährlich ist. Da anzunehmen ist, dass die Bevölkerung weiter zunehmen wird im Berliner Norden sehe ich eine U-Bahn vom Alexanderplatz über Weißensee z.B. nach Karow als eine langfristige Möglichkeit. Wenn die Schienen unter die Erde kommen, würde man den Platz für eine komplette Neugestaltung der Allee bekommen. Zur Ehrlichkeit gehört dazu: Das ist eine 20-Jahres-Perspektive.

5. Warum sollen die Bürger Sie wählen?

Ich bin vor fünf Jahren als jüngster der Kandidaten direkt ins Parlament gewählt worden und habe vieles in den letzten Jahren mit angestoßen. Die ersten Schulen sind saniert, die Sanierungen der Grundschule am Weißen See und des Primo-Levi-Gymnasiums werden kommen, sie stehen in der Investitionsplanung. Ich habe mich in verschiedene Projekte mit eingeschaltet, gute Kontakte zu den Schulen, Kitas und Vereinen gehalten und bei den Bürgersprechstunden jeden Monat Menschen helfen können oder gute Tipps bekommen. Ich bin in Weißensee unterwegs und ständig ansprechbar. Auf meine Plakate habe ich geschrieben „Mit Haltung viel bewegen.“ Und diese klare Haltung habe ich gegen Menschenfeindlichkeit und Gewalt gegenüber.
Mich sorgen jedenfalls ein paar Hundert geflüchtete Menschen in Weißensee deutlich weniger als ein Dutzend Rechtsextreme mit Vorstrafenregistern so dick wie Telefonbüchern. Der Wahlkreis entscheidet sich zwischen SPD und Linkspartei. Und insofern kämpfe ich auch um die Erststimmen von denen, die vielleicht nicht SPD wählen, aber fünf Jahre aktive Arbeit für den Wahlkreis honorieren.

Vielen Dank für die Antworten, Herrn Buchner! Und das mit der U-Bahn müssen wir aber noch einmal überdenken. Dann würde es in den Wohnzimmern der Berliner Allee ja noch mehr rumpeln.