Am 18. September finden die Wahlen zum Abgeordnetenhaus von Berlin und zu den Bezirksverordnetenversammlungen statt. Das Frollein fragte sich, wer eigentlich in Weißensee zur Wahl steht. Eine Recherche später waren alle Kandidaten gefunden und hier sollen sie nun in den kommenden Tagen vorgestellt werden. Alle beantworten dieselben fünf Fragen, alle Antworten werden original wiedergegeben. Die heutige Kandidatin: Stefanie Remlinger.

Wer ist Stefanie Remlinger?

Frau Remlinger ist eine MdA, also ein Mitglied des Berliner Abgeordentenhauses. Ihre Wurzeln hat sie jedoch im Süden Deutschlands. Dort studierte sie an den Unis in Würzburg und Passau Sprachen, Wirtschafts- und Kulturraumstudien, bevor sie 1999 nach Berlin ging. Erst hier fand sie 2004 ihren politischen Seelenfrieden mit dem Eintritt in die Partei Bündnis 90 / Die Grünen. Seit 2011 ist sie Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses in der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen, 2012 wurde sie zur stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden gewählt. Außerdem ist Stefanie Remlinger die Sprecherin für Bildungs- und Haushaltspolitik sowie für berufliche Bildung. Auch in ihrem Kiez setzt sich die vor allem für die Bildung von Kindern und Jugendlichen ein. Wer der Wahlkandidatin selbst auf dem Zahn fühlen will, kann sie beispielsweise am 10. September ab 15 Uhr auf dem Grünen Kinderfest kennen lernen, das auf dem Spielplatz in der Mahlerstraße stattfinden wird. Wer dann überzeugt ist, kann Frau Remlinger im Pankower Wahlkreis 9 (Prenzlauer Berg Südost, Weißensee Südost) wählen.

1. Was ist Ihr Lieblingsort in Weißensee?

Der Kreuzpfuhl mit dem Privo Levi Gymnasium im Hintergrund. Das Schulgebäude ist einerseits groß und mächtig, andererseits leuchtet der rote Klinker gerade jetzt im Sommer warm und freundlich. Und bildet so einen schönen Hintergrund für den ein wenig verhangenen, verwunschenen kleinen See. Hier lässt sich gut nachdenken über die Geschichte und die Wandlungen, die sie mit sich bringt. Ich würde heute ein gute Schule sicher anders bauen. Aber das Ensemble hier muss man erst mal überbieten!

2. Was verbinden Sie mit Weißensee?

Bei Weißensee denke ich an das Rittergut und wie rasant sich „Großberlin“ entwickelt hat. Ich denke an die große(Stumm-)Filmzeit, von der vor allem die Brotfabrik noch zeugt. Dafür graut mit auch ein wenig wie im Cabinet des Dr. Caligari, wenn ich gedanklich durch die Langhansstraße, am Antonplatz vorbei zum Schandfleck Peter Edel wandere – hier muss endlich ein neuer, attraktiver Kultur- und Bildungsstandort entstehen, von dem man entspannt weiter spaziert in den Park hinein und um den See. Gleichzeitig steht das Peter Edel für die Frage: was wird aus der Berliner Allee?

3. Weißensee wird immer mehr ein beliebter Wohnort. Die Mieten steigen und es werden schnell Eigentumswohnungen hochgezogen. Alteingesessene fühlen sich überrumpelt und können sich die Mieten nicht mehr leisten. Wie möchten Sie diese Situation in Zukunft entspannen?

Die steigenden Mieten gehören für mich zu den drängendsten und gleichzeitig mit am schwersten zu lösenden Probleme – in Weißensee und berlinweit. Dagegen, dass Menschen ihre Wohnung nicht mehr bezahlen können, muss man auf mehreren Ebenen kämpfen. Eine aktive Wohnungs- und Mietenpolitik gehört dazu, kann das Problem aber nicht alleine lösen. Eine umfassende Armutsbekämpfung, gute, gerechte Löhne und eine echte Existenzsicherung gehören genauso dazu wie bessere, chancengerechte Bildung für alle Kinder und Jugendlichen, für gute Bildungs- und Berufschancen. Konkrete Instrumente zu den drei Themenkomplexen kann ich auf Nachfrage gerne nennen – hier war jedoch um Kürze gebeten.

4. Flaniermeile oder Zubringerstraße: Was soll Ihrer Meinung nach in den kommenden Jahren mit der Berliner Allee passieren?

Die Berliner Allee soll keine Luxusmeile werden, aber ich möchte es doch für alle angenehmer machen, sich dort aufzuhalten. Das fängt für mich mit dem Antonplatz an, dem ein bisschen mehr grün, vor allem Schatten spendende Bäume, nicht schaden könnten. Außerdem muss es aus meiner Sicht Ziel sein, den klassischen Einzelhandel, Gewerbe und Dienstleistungen zu fördern, zu schützen und zu verhindern, dass nur noch große Ketten einziehen, die es schon überall sonst auch gibt. Ich möchte mit den Geschäftsleuten, Kunden und AnwohnerInnen ins Gespräch kommen, wie die Geschäftsstraße noch wettbewerbsfähiger, attraktiver und angenehmer gestaltet werden kann. Die IG Weißensee hat hier schon sehr gute Anfänge gemacht. Zu diskutieren wäre, inwieweit eine Weiterentwicklung der Aktivitäten zu einem echten „Innovationsbereich“ bzw. Business Improvement District sinnvoll wäre. Zentral ist aber auch die Verkehrsfrage: Solange der Sinn der Berliner Allee hauptsächlich darin besteht, dass man sie mit dem Auto möglichst schnell hinter sich lassen kann, wird sie kaum Chancen haben, zu den Lieblingsorten der WeißenseeerInnen zu werden. Deshalb würde ich gerne in einem geeigneten Bürgerbeteiligungsverfahren über Wege zur Entschleunigung, zu größerer Fußgänger- und Fahrradfreundlichkeit sowie gesunder Luft beraten – nicht nur in der Berliner Allee.

5. Warum sollen die BürgerInnen Sie wählen?

Eigenlob?

Ja.

Nun gut, ich bin ausdauernd, willensstark, sozial, bildungs- und naturbegeistert. Ich mag Menschen, vor allem engagierte Menschen, und liebe es, mit ihnen zusammen etwas auf die Beine zu stellen. Dabei sage ich immer ehrlich, was ich für möglich halte und was (zumindest) meine Kräfte übersteigt bzw. gegen meine Grundwerte verstößt. Ich höre zu und diskutiere gern, denn gemeinsam kommt man meist zu besseren, kreativen Lösungen. Ich bin schon seit 2006 in ganz Pankow politisch aktiv. Um mich noch mehr um Weißensee kümmern zu können, habe ich im letzten Jahr mein Bürgerbüro hier in der Meyerbeerstraße eröffnet. Besuchen Sie mich dort gerne. Auch meine Kolleginnen Daniela Billig und Verena Toussaint – also wir „Drei für Weißensee“ freuen uns dort über Ihre Fragen und Anregungen!