Am 18. September finden die Wahlen zum Abgeordnetenhaus von Berlin und zu den Bezirksverordnetenversammlungen statt. Das Frollein fragte sich, wer eigentlich in Weißensee zur Wahl steht. Eine Recherche später waren alle Kandidaten gefunden und hier sollen sie nun in den kommenden Tagen vorgestellt werden. Alle beantworten dieselben fünf Fragen, alle Antworten werden original wiedergegeben. Der heutige Kandidat: Dirk Stettner.

Über den Mann der CDU gibt es nicht viel zu sagen, denn in seinem Interview-Beitrag sagt er alles, was zu sagen ist. Er ist genau der Richtige für den Wahlkampf, denn wie kein anderer vor ihn, nutzt er es aus, dass das Frollein keine Wortbegrenzung angegeben hat. Vielleicht ist er einer von denen, der die Redezeit bei Vorträgen immer schamlos überzieht und die Koordinatoren zum Schwitzen bringt, wer weiß. Loben muss man sein Wahlkampffoto, das mich irgendwie immer, wenn ich mit dem Bus daran vorbeifahre, an David Hasselhoff erinnert. Nun nehmen wir uns eine Tasse Tee und widmen uns Herrn Stettners Antworten. Wem sie zusagen, der kann ihn im Wahlkreis 4 (Weißensee-Nord) wählen. Ach ja, und er ist ganz entschieden für die U-Bahn unter der Allee.

1. Was ist Ihr Lieblingsort in Weißensee?

Weißensee hat viele sehr schöne Orte, einen bestimmten Lieblingsort habe ich nicht. Natürlich sind der Park um den Weißen See und das Strandbad Weißensee charmant. Das Sportgelände an der Rennbahnstraße wie auch das Stadion Buschallee sind imposante Orte des Sports. Die Ruthenbergschen Höfe, die Brotfabrik und das Kino Toni sind Kulturinstitutionen wie auch das Delphi. Kinderkrankenhaus und Kreiskulturhaus haben einen morbiden Charme – Letzteres wird hoffentlich bald und endlich revitalisiert. Sie sehen, ich komme ins Plaudern und kann mich nicht auf einen Ort festlegen.

2. Was verbinden Sie mit Weißensee?

Ich lebe und arbeite hier seit mittlerweile 17 Jahren. Meine drei Kinder sind hier in die Kita, zur Schule, in Sportvereine gegangen bzw. tun es noch. Ich bin Vorsitzender des Vereins für Weißensee e. V. und des Vereins Siedlung Rennbahn Berlin Weißensee e. V. – beide gemeinnützig. Für acht Weißenseer Blumenfeste, drei Weißenseer Ausbildungstage und einige Integrationssportturniere bin ich verantwortlich. Mich verbindet sehr viel mit Weißensee, ich wohne hier, ich arbeite hier und ich engagiere mich wo es geht ehrenamtlich.

3. Weißensee wird immer mehr ein beliebter Wohnort. Die Mieten steigen und es werden schnell Eigentumswohnungen hochgezogen. Alteingesessene fühlen sich überrumpelt und können sich die Mieten nicht mehr leisten. Wie möchten Sie diese Situation in Zukunft entspannen?

Die „Alteingesessenen“ sehen dies durchaus differenziert. Der Zuzug ist positiv und die Entwicklung Weißensees hat überwiegend Vorteile für uns alle. Dennoch steigen die Mieten und wir müssen dafür sorgen, dass die soziale Mischung erhalten bleibt – kein Weißenseer soll Weißensee verlassen müssen, weil er sich die Mieten nicht leisten kann. Deshalb müssen wir weiter öffentlichen Wohnungsbestand aufbauen, sprich hier speziell die Wohnungsbaugesellschaften HOWOGE und GESOBAU müssen weiter bauen und aufkaufen. Dann müssen die Wohnungsbaugesellschaften immer einen Anteil an Wohnungen für 6,50 EUR netto kalt vermieten. Die Wohnungsgenossenschaften müssen wir unterstützen, hier z. B. die Weißenseer Wohnungsgenossenschaft. Genossenschaften sichern preiswerte Wohnungen für Weißenseer. Des Weiteren sollen möglichst viele Mieter die Möglichkeit erhalten, Eigentum zu erwerben. Wer eine Wohnung gekauft hat ist sicher vor Mieterhöhungen – er zahlt keine Miete mehr. Dafür können wir mit den Förderbanken des Landes Berlin viel tun. Es sind ein Bündel vieler verschiedener Maßnahmen, die unser Zusammenleben, das Miteinander von Wohnen, Kultur, Sport und Arbeit, weiter gedeihen lassen. Wir leben in einem außergewöhnlich schönen Ortsteil und ich werde immer weiter dafür kämpfen, dass dies auch so bleibt.

4. Flaniermeile oder Zubringerstraße: Was soll Ihrer Meinung nach in den kommenden Jahren mit der Berliner Allee passieren?

Gestatten Sie mir die Frage etwas „breiter“ zu beantworten. Hier geht es um die Berliner Allee, Fahrradverkehr und ÖPNV. Die Berliner CDU hat ein Pilotprojekt für ein Radschnellweg-Netz für ganz Berlin initiiert, so dass Bike-Highways gerade im Hinblick auf immer häufiger werdende E-Bikes nicht nur sinnvoll sind, sondern auch benötigt werden. Im Bereich der S-Bahn-Trassen ist Platz und wenn nicht daneben, dann oben drüber überdacht. Das klingt vielleicht ein wenig futuristisch, jedoch ist das absolut möglich und wir werden uns daran gewöhnen müssen, groß und möglichst innovativ zu denken. Berlin wächst erfreulicherweise stetig und unsere Aufgabe ist es, dieses Wachstum zu gestalten. Das Ergebnis dieser Gestaltung kann aus meiner festen Überzeugung heraus nicht eine Straße mit zwei Parkspuren rechts und links und stauenden Autos dazwischen sein. In unserer letzten Kiezzeitung wurden vor allem verkehrstechnische Maßnahmen vorgestellt bei denen unter anderem auch Fahrradwege konkret umgesetzt werden. Weißensee benötigt eine U-Bahn unter der Berliner Allee. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: U-Bahnen können dichter getaktet werden als Tramlinien und die Mittelinsel wird dann z. B. für Fahrräder frei. So könnten dort sichere Verweilzonen für Fahrradfahrer und attraktive Flächen für Händler entstehen. Ebenso benötigen wir mehr Park & Ride-Flächen in Brandenburg, damit eine Reduktion des Verkehrsaufkommens auch über die Berliner Allee erzielt werden kann. Eine Fahrrad- und Anliegerstraße links und rechts der Berliner Allee ist eine schnell umsetzbare Lösung. Ich kann mir hier gut die Bizetstraße rechts und beispielsweise die Behaimstraße / Schönstraße linksseitig vorstellen.

5. Warum sollen die BürgerInnen Sie wählen?

Warum sollten Sie gerade mir Ihre Stimme geben? Seit 26 Jahren engagiere ich mich bereits politisch; in den letzten fünf Jahren im Abgeordnetenhaus von Berlin, in den restlichen 21 Jahren außerhalb der Parlamente rein ehrenamtlich. Ich bin fest davon überzeugt, dass der Satz „Es ändert sich ja eh nichts“ falsch ist. Ich wollte und werde nie von meiner politischen Tätigkeit wirtschaftlich abhängig sein. Und wir können alle sehr viel ändern, wir müssen eben machen und nicht nur reden. Seit 22 Jahren wohne ich in Berlin und lebe seit 17 Jahren in Weißensee. Sie stellen sich nun vielleicht die Frage, was ich persönlich für Weißensee erreicht habe. Auch hier einige wenige Beispiele:  Der Park am Weißen See ist das Herzstück unseres Kiezes und er ist und bleibt endlich sauber. Die Berliner Stadtreinigung (BSR) kontrolliert und säubert den Park kontinuierlich und verhindert damit ein Vermüllen, wie es noch vor einigen Monaten der Fall war. Ich sitze im zuständigen Ausschuss und habe mit dafür gesorgt.  Das Weißenseer Blumenfest organisiere ich seit 2009 als Vorsitzender des Vereins für Weißensee e. V. Wir machen dies ohne öffentliche Zuschüsse, im Gegenteil erhält der Bezirk jedes Jahr von unserem gemeinnützigen Verein mehr als 10.000 Euro Miete für die Veranstaltungsflächen. Wir haben verschiedene Konzepte ausprobiert, viel Zeit und eigenes Geld investiert. Mit dem diesjährigen Konzept haben wir eine gute Grundlage gefunden. Das werden wir weiter ausbauen und verschönern.  Die Kinder der Sportanlage an der Rennbahnstraße kommen nicht sicher über die stark befahrene Rennbahnstraße – nach großem Druck bei der zuständigen Senatsverwaltung wird nun endlich die Ampel an der Rennbahnstraße gebaut.  Es wurden 300.000 Euro für die Rekultivierung der ehemaligen Industriebahntrasse Weißensee aus SIWA-Mitteln bereitgestellt.  Ihnen und mir ist es egal, WARUM in unserer Verwaltung etwas NICHT funktioniert. Auch ob Land oder Bezirk zuständig sind. Funktionieren muss es! Dafür haben meine Kollege Burkhard Dregger und ich das E-Governmentgesetz in Berlin durchgesetzt. Das ist die rechtliche Grundlage für die dringend notwendige grundlegende Modernisierung der gesamten Berliner Verwaltung.  Wohnungsbaugesellschaften haben wir nicht aus Jux und Dollerei sondern damit diese konkrete Aufgaben für die Berliner übernehmen. Ich bin für die Kontrolle der Berliner Wohnungsbaugesellschaften zuständig und habe mich u. a. eingesetzt für: Mehr Wohnungsbau, die soziale Durchmischung, innovative Technologien. Zukünftig wird nicht nur der Öffentliche Personennahverkehr eine Rolle spielen sondern auch die individuelle Mobilität, denn Elektroautos oder E-Bikes werden immer wichtiger. Gerade in einer innovativen Stadt wie Berlin muss gewährleistet sein, dass die Mobilität der Berliner Bürgerinnen und Bürger weiter durch Bike-Highways und mehr Car-Sharing-Angebote ausgebaut wird. Ohne noch ausführlicher zu werden, es ist schon jetzt sehr viel Text. Wenn Sie mich jedoch fragen, warum Sie mich wählen sollten, muss ich Ihnen auch schreiben, was Sie dafür erhalten. Ich bitte Sie, zu wählen. Und bitte keine linken oder rechten Radikalen – die schaden uns allen nur. Bitte sagen Sie es auch Ihren Freunden und Ihrer Familie: Wer vermeintlich aus Protestgedanken radikal wählt, für den folgt danach vielleicht ein böses Erwachen. Ich kenne keinen Radikalen in der Politik oder in den Kneipen unserer Stadt, der auch nur einen Lösungsvorschlag parat hätte – nur Angstmache.