Am 18. September finden die Wahlen zum Abgeordnetenhaus von Berlin und zu den Bezirksverordnetenversammlungen statt. Das Frollein fragte sich, wer eigentlich in Weißensee zur Wahl steht. Eine Recherche später waren alle Kandidaten gefunden und hier sollen sie nun in den kommenden Tagen vorgestellt werden. Alle beantworten dieselben fünf Fragen, alle Antworten werden original wiedergegeben. Die heutige Kandidatin: Daniela Billig.

Zuerst einmal muss man positiv hervorheben, dass Frau Billig ein Foto hat, dass sie in einer Weißenseer Umgebung zeigt. Das zeugt schon einmal von einem Stück Lokalpatriotismus. Auch scheint Frau Billig, die im übrigen zur Abwechslung mal nicht Jura oder etwas mit Wirtschaft, sondern Sudanarchäologie, Ägyptologie und Musikwissenschaften studiert hat, die Einzige zu sein, die es für möglich hält, dass die Berliner Allee einmal über sich hinauswachsen könnte und ein bisschen zum Flanieren einlädt. Und sie sagt tatsächlich nichts von einer U-Bahn! Am kommenden Sonntag kann man die Kandidatin der Grünen im Wahlkreis 7 (Prenzlauer Promenade, Am Steinberg, Pistoriusstraße, Berliner Allee, Greifswalder Straße) wählen.

1. Was ist Ihr Lieblingsort in Weißensee?

Mein Lieblingsort ist der Mirbachplatz, weil ich hier so schön im Café Mirbach sitzen und den Tag ausklingen lassen kann. Die Turmruine der Bethanien-Kirche verleiht dem Ort zusätzlich eine beschauliche und einmalige Atmosphäre. Im Sommer ist der Weiße See mit seinem Strandbad und dem vielen Grün natürlich unerreicht für den ganzen Bezirk.

2. Was verbinden Sie mit Weißensee?

Das Schöne an Weißensee ist die immer noch erhaltene und funktionierende Mischung aus Wohngebieten und Gewerbe mit Werkstätten in historischen Höfen. Weißensee ist eine gelungen Schnittstelle zwischen Urbanität und altberliner Charme. Besonders faszinierend finde ich die Geschichte der Filmstadt Weißensee, die Anfang des 20. Jahrhunderts den Ruf Berlins als Filmstadt mit international berühmten Produktionen begründet hat.

3. Weißensee wird immer mehr ein beliebter Wohnort. Die Mieten steigen und es werden schnell Eigentumswohnungen hochgezogen. Alteingesessene fühlen sich überrumpelt und können sich die Mieten nicht mehr leisten. Wie möchten Sie diese Situation in Zukunft entspannen?

Ein wichtiges Instrument gegen den Bau bzw. die Umwandlung in Eigentumswohnungen und die rasante Erhöhung der Mieten ist das soziale Erhaltungsgebiet. Eine solche Verordnung soll die Zusammensetzung der gegenwärtigen Bevölkerung in dem entsprechenden Gebiet erhalten, wenn Nachteile für die städtebauliche Situation zu erwarten sind. Dabei hat der Bezirk die Möglichkeit die Umwandlung in Eigentumswohnungen zu verbieten. Bis zur Ostseestraße sind die sozialen Erhaltungsgebiete in Pankow schon gewachsen. Inzwischen ist die Situation auch in Weißensee so angespannt, dass der Bezirk nun auch in Weißensee soziale Erhaltungsgebiete einrichten sollte.

4. Flaniermeile oder Zubringerstraße: Was soll Ihrer Meinung nach in den kommenden Jahren mit der Berliner Allee passieren?

Eine Flaniermeile mit Freiräumen und guten Einkaufsmöglichkeiten ist viel schöner, angenehmer und gesünder für die Nachbarinnen und Nachbarn in und nahe der Berliner Allee. In der momentanen Realität ist die Berliner Allee aber leider vor allem eine Zubringerstraße mit sehr viel Autoverkehr. Das Ziel hier eine Flaniermeile zu schaffen lässt sich nur schrittweise erreichen. Die teilweise Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h ist der erste Schritt hin zu mehr Aufenthaltsqualität. Als nächstes muss der Verkehr noch konsequenter verlangsamt werden. Hierzu kann beispielsweise ein breiter Fahrradstreifen zu mehr Gleichberechtigung der unterschiedlichen Verkehrsmittel und mehr Verkehrssicherheit führen. Wenn eine Baumaßnahme in der Zukunft ansteht sollten auch die Gehwege verbreitert werden. Denn in vielen Städten zeigt sich, dass mehr Platz für Fußgänger und Fahrräder dafür sorgt, dass die Bewohnerinnen und Bewohner sich auch mehr mit dem Rad und zu Fuß bewegen. Dadurch wird einerseits das Gewerbe und besonders der Einzelhandel gefördert und andererseits die Geschwindigkeit des Autoverkehrs gedrosselt.
Ein besonderer Baustein für die Attraktivität der Berliner Allee ist das „Peter Edel“. Es ist das erklärte Ziel von mir und der Pankower Politik insgesamt das Kulturhaus in Zukunft wieder mit kulturellen Angeboten für den Stadtteil zu öffnen. Dadurch wird ein besonderer Ort an der Berliner Allee endlich wieder belebt und gibt ihr ein Stück Kulturgeschichte zurück.

5. Warum sollen die Bürger Sie wählen?

Als Fraktionsvorsitzende der Bündnisgrünen im Bezirk habe ich in den vergangenen 5 Jahren intensive Erfahrung in der Politik gesammelt. Als Finanz- und Sozialpolitikerin möchte ich mich im Abgeordnetenhaus für eine bessere finanzielle Ausstattung der Bezirke einsetzen. Gerade die soziale Infrastruktur von den Schulen über Kitas und Begegnungsstätten bis hin zu Familien- und Beratungszentren müssen deutlich mehr Gewicht bekommen. Denn nur eine funktionierende Sozialpolitik garantiert eine zukunftsfähige und starke demokratische Gesellschaft.
Besonders wichtig ist mir das Arbeiten im Team. Deshalb bin ich froh, dass wir drei Direktkandidatinnen für Weißensee uns zusammengetan haben, um den Wahlkampf gemeinsam zu bestreiten.