Am 18. September finden die Wahlen zum Abgeordnetenhaus von Berlin und zu den Bezirksverordnetenversammlungen statt. Das Frollein fragte sich, wer eigentlich in Weißensee zur Wahl steht. Eine Recherche später waren alle Kandidaten gefunden und hier sollen sie nun in den kommenden Tagen vorgestellt werden. Alle beantworten dieselben fünf Fragen, alle Antworten werden original wiedergegeben. Die heutige Kandidatin: Clara West.

Frau West und das Frollein sind ja schon fast dicke Freunde. Und ganz heimlich beneide ich sie um ihren wundervollen Namen. Der klingt nach linkem Revoluzzertum, ist aber dann doch nur die SPD. Zur Abwechslung stammt sie aus Schleswig-Holstein, was ihr zu verzeihen ist. Bis 2012 arbeitete sie für den WWF, was ihr zugute zu halten ist. Seither ist sie Vollzeit-Abgeordnete und wer sie unterstützen möchte, der möge sie am kommenden Sonntag im Wahlkreis 3 (Prenzlauer Promenade, Am Steinberg, Pistoriusstraße, Berliner Allee, Greifswalder Straße) wählen. Viel Glück, Clara!

1. Was ist Ihr Lieblingsort in Weißensee?

Der See und da besonders das Strandbad, ich wohne da ganz in der Nähe in der Berliner Allee. Das sind nur ein paar Minuten zu Fuß bis zu einem Ort, wo man nach getaner Arbeit die Seele baumeln lassen kann. Mit der Familie und manchmal auch alleine, bei einem Kaffee oder gern auch mal bei einem Bier, mit Blick auf die Fontaine und beim Sonnenuntergang: das ist schon fast so wie ein kleiner Urlaub, bei dem der Alltag draußen bleibt. Hier trifft man auf Freunde, Nachbarn und Bekannte, hier grüßt man sich freundlich, hier kommt man miteinander ins Gespräch über Gott und die Welt. Hier ist es einfach schön.

2. Was verbinden Sie mit Weißensee?

Weißensee ist für mich schon vor vielen Jahren zu meiner Heimat geworden. Hier stimmt ganz einfach die Mischung. Weißensee ist besonders, ohne eitel daherzukommen. In diesem Kiez steckt viel Leben, jenseits von gestylten Bars und überteuerten Läden. Hier ist es grün und städtisch zugleich, hier kann man in Ruhe leben und trotzdem Spannendes entdecken – wie zum Beispiel die Zeugnisse einer wirklich bedeutenden, großen Filmtradition oder den größten jüdischen Friedhof Europas. Hier in Weißensee treffen Alt- und Neuberliner aufeinander. Hier lebe ich mit meinem Mann, hier wächst meine Tochter auf, hier bin ich zuhause.

3. Weißensee wird immer mehr ein beliebter Wohnort. Die Mieten steigen und es werden schnell Eigentumswohnungen hochgezogen. Alteingesessene fühlen sich überrumpelt und können sich die Mieten nicht mehr leisten. Wie möchten Sie diese Situation in Zukunft entspannen?

Dass man in Weißensee gut leben kann, hat sich herumgesprochen, wie sollte es auch anders sein. Unser Kiez wächst in einem geradezu atemberaubenden Tempo, und das hat bereits zu teilweise rücksichtsloser Verdrängung geführt. Ich halte das für ein großes und schwieriges Problem, dem leider nicht so einfach beizukommen ist. Populistisches Gequatsche bringt uns da nicht weiter. Als direkt gewählte Abgeordnete habe ich mich in den zurückliegenden fünf Jahren natürlich für bezahlbare Mieten und ein gutes Umfeld stark gemacht, und das möchte ich auch in Zukunft tun. Aber leider haben nicht alle Maßnahmen zum Schutz der Mieterinnen und Mieter so wirkungsvoll gegriffen, wie wir uns das gewünscht hätten. Wir werden da nicht lockerlassen. Damit im südlichen Weißensee diejenigen besser geschützt werden, die hier schon wohnen und sich eben nicht jede Miete leisten können, muss es hier „Milieuschutzgebiete“ geben (die Fachleute sprechen da von ‚sozialen Erhaltungssatzungen‘). Außerdem müssen wir uns als Land Berlin beim Bund weiter für eine Mietpreisbremse stark machen, die diesen Namen auch verdient. Eins steht jedoch fest: Wenn die Mieten nicht weiter steigen sollen, brauchen wir in der ganzen Stadt mehr und vor allem öffentlichen Wohnungsbau, der sich harmonisch ins Gesamtbild fügt und so für noch mehr Lebensqualität sorgt. Speziell bei öffentlichen Bauvorhaben muss die Bürgerbeteiligung von Anfang an mit eingeplant werden. Alt- und Neubewohner finden viel besser und schneller zueinander, wenn die Alteingesessenen mehr als nur ein Wörtchen darüber mitzureden haben, wie der Kiez in Zukunft aussehen soll. Und die Infrastruktur muss natürlich mitwachsen: Dazu gehören nicht nur vernünftige Straßen und Radwege und ein guter ÖPNV, sondern auch gute Schulen, bequem erreichbare Seniorentreffs und gepflegte Parkanlagen für Jung und Alt.

4. Flaniermeile oder Zubringerstraße: Was soll Ihrer Meinung nach in den kommenden Jahren mit der Berliner Allee passieren?

Diese Straße, an der ich lebe, wird wohl immer beides bleiben. Wer sie noch attraktiver machen will, steht jedenfalls vor keiner leichten Aufgabe. Der zur Verfügung stehende Platz ist nun einmal beschränkt, man kann ja schlecht die Häuser nach hinten verrücken oder aus einer so vielbefahrenen Straße ein totales Nadelöhr machen. Wo sich definitiv was tun könnte, ist der Antonplatz. Das ist eigentlich ein toller Ort, aber man hält sich dort trotzdem nicht so richtig gerne auf, weil man dem Verkehr ungeschützt ausgeliefert ist und weil es so wenig Grün gibt. Hier könnte man gemeinsam mit den Anwohnern und Gewerbetreibenden mal einen Plan schmieden, wie sich dieser Platz so gestalten lässt, dass man sich dort auch mal länger aufhält. Es wäre außerdem schon toll, wenn es auch auf der Berliner Allee möglich wäre, ohne den fast obligatorischen Zwischenstopp auf ziemlich kleinen und engen Verkehrsinseln über die Straße zu kommen. Schön fände ich es außerdem, wenn es bei den Läden und Geschäften mehr Vielfalt und weniger Leerstand gäbe, aber das kann Politik nicht einfach beschließen. An wen Gewerberäume zu welchem Preis vermietet werden, darüber entscheidet der Hauseigentümer. Demnächst tut sich was an der Berliner Allee: Von der Pistoriusstraße/Albertinenstraße bis zur Rennbahnstraße wird sie demnächst komplett neu gebaut. Das ist bereits in der bezirklichen Investitionsplanung fest drin, unter anderem will man den Lärm verringern. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt hat eine Machbarkeitsstudie zur Erarbeitung von Varianten in Auftrag gegeben, richtig losgehen mit dem Bauen soll es 2019. Ich sehe da gute Chancen für eine angemessene Beteiligung der Anwohner.

5. Warum sollen die Bürger Sie wählen?

Erstens, weil ich Respekt vor ihnen habe und weil ich es nie wagen würde, ihr Vertrauen zu missbrauchen. Ich bitte sie ja immer wieder darum, mir ihr Vertrauen zu schenken. Darauf hat man keinen Anspruch, das ist ein wirklich kostbares Geschenk, das muss man sich immer wieder klar machen. Mit einem solchen Geschenk geht man nicht achtlos um, das tut man einfach nicht. Zweitens, weil ich nichts verspreche, was ich nicht halten kann. Natürlich gibt es auch für mich Dinge, die ich sehr gerne ganz schnell ändern würde, etwa beim Thema Verdrängung, aber manchmal erweist sich gerade die Umsetzung von überzeugenden und scheinbar ganz einfachen Ideen und Vorschlägen als unglaublich schwierig. Das ist manchmal wirklich zum Haare ausraufen. Deshalb bin ich mit schnellen Versprechungen ziemlich zurückhaltend. Aber die Leute können sich darauf verlassen, dass ich nicht so schnell locker lasse. Jeden Tag eine neue Sau durchs Dorf treiben, das liegt mir nicht so. Und wer mit dem Kopf durch die Wand will, holt sich in der Regel eine blutige Nase. Meistens ist es wirklich die Beharrlichkeit, die zum Ziel führt, und beharrlich bin ich glaube ich schon. Mein Mann findet sogar, dass ich ziemlich stur sein kann, wenn‘s drauf ankommt. Und drittens kann man mich auch deshalb gut wählen, weil ich in meinem Wahlkreis verwurzelt bin. Mich treiben in der Regel die gleichen Dinge um wie meine Nachbarn, und ich rege mich ganz oft über die gleichen Sachen auf. Das fängt bei ärgerlichen Kleinigkeiten wie permanent verdreckten Bürgersteigen an und hört mit intensiven Diskussionen über die internationalen Ursachen für den Flüchtlingszuzug noch lange nicht auf. Wir leben hier im gleichen Bezirk und in der gleichen Stadt. Gemeinsam können wir was bewegen.