Am 18. September finden die Wahlen zum Abgeordnetenhaus von Berlin und zu den Bezirksverordnetenversammlungen statt. Das Frollein fragte sich, wer eigentlich in Weißensee zur Wahl steht. Eine Recherche später waren alle Kandidaten gefunden und hier sollen sie nun in den kommenden Tagen vorgestellt werden. Alle beantworten dieselben fünf Fragen, alle Antworten werden original wiedergegeben. Der heutige Kandidat: Michail Nelken.

Bei Nelken muss ich immer an rote Nelken denken. Bartnelken sind meine Lieblingsblumen, das muss ein Überbleibsel der DDR-Kindheit sein. Da gab es gefühlt nur Bartnelken, die man in der Kita immer zum Geburtstagslied gereicht bekam. Passenderweise heißt der Wahlkandidat der Linken Michail Nelken. Man muss sagen: Er hat mit Abstand das kiezigste Foto geschickt. Außerdem verbindet das Frollein und Herr Nelken eine Tätigkeit an der Akademie der Wissenschaften – wenn auch mit sehr vielen Jahren und einem Mauerfall Unterschied – und ein Philosophie-Studium an der HU Berlin. Was ihn noch ehrt: Er ist der Erste, der den Weißen See nicht zu seinen Lieblingsorten zählt. Ihn treibt es ins wilde Hinterland, dass nur Einwohner kennen. Sehr sympathisch. Wer seine Ansichten teilt, kann ihm am kommenden Sonntag im Wahlkreis 9 (Greifswalder Straße, Berliner Allee, Indira-Gandhi-Straße) wählen.

1. Was ist Ihr Lieblingsort in Weißensee?

Je nach Ziel und Laune: a) das Komponistenviertel im Wahlkampf, b) das Holländerviertel zum baugeschichtlichen Spaziergang, c) mein spannendste Lieblingsort ist das Gebiet zwischen Lehderstraße und Langhansstraße mit der Goldleistenfabrik, den Ruthenberg’schen Höfen, der Kulturlawine, dem Steinmetzhof, den vielen Werkstätten und Ateliers. Ein Refugium, das geschützt und behutsam entwickelt werden müsste.

2. Was verbinden Sie mit Weißensee?

Spannende Vielfalt: Jürgen Kuszynski, Werner Klemke, die Kunsthochschule, Künstlerateliers, Holländerviertel, Woelkpromenade und Kreuzpfuhl, das Peter-Edel, Jüdischer Friedhof, Fotoschule Ostkreuz, Kino Toni und das ehemalige Stummfilmkino Deplhi, die „Brotfabrik“, Kubiz und Bunte Kuh, Stephanus-Stiftung, Weißer See, Milchhäuschen und vieles mehr.

3. Weißensee wird immer mehr ein beliebter Wohnort. Die Mieten steigen und es werden schnell Eigentumswohnungen hochgezogen. Alteingesessene fühlen sich überrumpelt und können sich die Mieten nicht mehr leisten. Wie möchten Sie diese Situation in Zukunft entspannen?

Weißensee ist in manchen Vierteln seit langem ein beliebter Wohnort. Solange Wohnungen Handelsware des spekulativen Immobilienmarktes sind, kann man den Mietpreisauftrieb nicht stoppen, aber mit einem Bündel von Maßnahmen dämpfen:

• Verpflichtung und Förderung der städtischen Wohnungsbaugesellschaften zur warmmietenneutralen Sanierung;

• Öffentliche Neubauförderung von städtischen und gemeinnützigen Wohnungsgesellschaften mit dauerhafter Belegungs- und Mietpreisbindung;

• Ausweitung sozialer Erhaltungsgebiete (Milieuschutz) mit einer konsequenter Versagung der Umwandlung von Miet-in Eigentumswohnungen.

• Städtebauliche Erhaltungssatzungen zur Begrenzung der unverträglichen Nachverdichtung. (Mehr teure Neubauwohnungen schaffen keine preiswerten Mietwohnungen, sondern erhöhen den allgemeinen Preisdruck).

4. Flaniermeile oder Zubringerstraße: Was soll Ihrer Meinung nach in den kommenden Jahren mit der Berliner Allee passieren?

Weder noch. Für eine Flaniermeile fehlen der Berliner Allee die straßenräumlichen Voraussetzungen. Eine Verlagerung des B2-Verkehrs ist auf lange Sicht nicht möglich. Dennoch darf die Berliner Allee nicht als Ausfallstraße abgeschrieben, sondern muss eine größtmögliche Nutzungs- und Aufenthaltsqualität für Fußgänger geschaffen werden. Keine weitere bauliche Verdichtung an und im Hinterland der Straße, stattdessen gilt es, alle entstehenden Freiräume zu nutzen, um neue Aufenthaltsqualitäten für Besucher der Berliner Allee zu schaffen.

5. Warum sollen die Bürger Sie wählen?

Weil DIE LINKE dafür eintritt, dass sich etwas ändert in dieser Stadt, dass der Ausverkauf der Stadt und die Dominanz der Immobilienspekulation beendet werden; weil ich mich auch persönlich weiterhin konsequent, kritisch, unüberhörbar und konstruktiv für ein soziales Berlin, für Mieten, die für alle bezahlbar sind, für den Erhalt der Frei- und Grünflächen (Parks wie Kleingärten), für die Sanierung und Erweiterung der öffentlichen Infrastruktur (Schulen, Spielplätze, Parks, Kitas etc.) einsetzen werde – ganz gleich welche Farbenkombination die Regierung stellen wird.