Seit ein wenigen Wochen bekomme ich regelmäßig die Frage zu hören: „Sag mal, weißt du, was da im Mirbach los ist?“ Nee. Wusste ich bisher nicht. Zwar komme ich jeden Tag am Mirbachplatz entlang und habe bemerkt, dass dort etwas im Gange ist. Aber wann ist da nichts los? Die Besitzerwechsel bekam man bisher kaum mit. Weder die Karte noch das Ambiente änderte sich in den vergangenen zehn Jahren. Aber jetzt scheint da ja was Wichtiges zu passieren. Mein Sendungsbewusstsein machte es mir daraufhin also zur Aufgabe, herauszufinden, was da denn seit Anfang November los ist.

Nix Fusion

Nun sitze ich am Mittwoch Nachmittag an einem Tisch im Mirbach und es wird aufgetischt. Selbstgemachte Pommes, Eintopf und irgendwas mit Fleisch. Der Chefkoch ist Adrian. Er stellt alles auf einen der großen Tische und entschuldigt sich dafür, dass das noch nicht bühnenreif aussieht, aber ab Freitag mache er im Mirbach, das ab morgen ganz offiziell „Neue Liebe“ heißen wird, ganz schicke deutsche Küche.
Kein Fusion und so, ist klar. Eher so deutsche Küche mit internationalen Einflüssen. Also lecker, ein bisschen deftig und – Überraschung – auch mit Avocadocreme.  Es fallen die Worte gebeizter Lachs, Smoothie Bowl und Avocado Schaum mit geröstetem Brokkoli (spätes Frühstück) und Coq au Vin (eher noch später). Weißensee hat laut Adrian, der in den letzten Jahren Neukölln bekochte, ganz viel Luft nach oben, wenn es um die Kulinarik geht. Deshalb freut sich das Team, frischen Wind in den Kiez zu bringen.

Besuch aus dem Prenzlberg

Mit am Tisch ist Gunnar Kohlmetz. Er ist seit dem 1. November der neue Pächter des Mirbach. Wie auch Adrian liegen seine Ursprünge in Düsseldorf. Bereits beim ersten Besuch war dem Gastronomen klar, welche Perle das Mirbach mit dem schönen Platz und der Ruine der Bethanienkirche vor der Tür ist. Das Caféhaus wird zu Gunnars „Neuer Liebe“, denn eine alte Flamme hat er schon. Der frische Gastrowind weht nämlich aus dem Prenzlauer Berg, wo Gunnar das Restaurant „Frau Mittenmang“ betreibt. Jetzt steckt er all sein Herzblut in die „Neue Liebe“.

Was bleibt

Heute wurde noch mächtig gehobelt, geputzt und Lampen geputzt, morgen, am Freitag ab 18 Uhr ist die „Neue Liebe“ offen und alle Weißenseer sind herzlich dazu eingeladen, sich den frisch gestrichenen Laden mal anzuschauen. Ich durfte ja gestern schon mal reinschauen und ich kann Entwarnung geben: Die schönen Holzmöbel sind geblieben, dafür rempelt man nicht mehr gegen die antik anmutenden Säulen.
Die Wände strahlen in warmen Farben und das Essen duftet herrlich. Der von einigen geliebte Brunch am Sonntag wird so nicht wieder aufgelegt werden. Vielmehr setzt Gunnar und sein Team auf eine interessante Speisenauswahl für das späte Frühstück und eine Abendküche, die ein Wiedersehen wert ist.

Hier schleift der Chef noch persönlich: Gunnar ist der Besitzer der Neuen Liebe.

Nun muss der Prenzlberger erst einmal in Weißensee ankommen und das gegenseitige Beschnuppern abwarten. Zum Schluss entscheiden die Gäste, ob der Neuzugang am Mirbachplatz bleiben darf. Aber einen besonders großen Stein im Brett hat Gunnar schonmal: Es freut mich sehr, dass Aller-aller-allerbester überhaupt zu verkünden.

Ab Freitag können wir alle im Mirbach mit EC-Karte zahlen.

Darauf ein Tusch und euch allen viel Freude beim Entdecken der „Neuen Liebe“.