Im vergangenen Jahr war ich großer Fan und Fürsprecher des Schweizer Film-Festivals, das Teresa Vena in der Brotfabrik auf die Beine gestellt hat. Dieses Jahr gehört Frollein Weißensee zu den Medienpartnern des Festivals „Film:Schweiz“, das vom 4. bis 10. April im BrotfabrikKino stattfinden wird. Wie bereits im letzten Jahr sollen Vielfalt und Qualität des Schweizer Filmschaffens präsentiert und vermittelt werden. Dabei werden auch die vielen Klischees über die Schweiz offensiv gebrochen oder ironisch aufgegriffen.

Besonders wichtig ist die differenzierte Darstellung, die der kulturellen und sprachlichen Vielfalt der Schweiz gerecht wird. Deshalb umfasst die Auswahl auch diesmal wieder nicht nur Beiträge aus der deutschsprachigen Schweiz, sondern auch solche aus den französischen und italienischen Sprachgebieten.

Die rätoromanische Schweiz im Film

Erstmals werden 2019 auch zwei Beiträge aus der rätoromanischen Schweiz gezeigt – einer Sprachregion, die einem starken Anpassungsdruck ausgesetzt ist und heute nur noch ca. 60.000 Sprechende zählt. Gemeinsam mit dem italienischsprachigen Film („Esser da chasa“, 2016, von Ivo Zen „Dar colur“2015, von Menga Huonder-Jenny und „Fin de Vac“, 2015, von Giovanni Greggio) bilden die Filme auch die Grundlage für eine Podiumsdiskussion zum Thema „Sprachliche Minderheiten in der Schweiz“ am Sonntag ab 18 Uhr.

Festivaleröffnung mit Claude Goretta

Auf Französisch werden der Eröffnungsfilm von Claude Goretta, der neuste Godard sowie das aktuelle Werk von Ursula Meier gezeigt. Meier steht auch für eine von insgesamt sieben weiblichen Positionen, die in Lang-, Kurz- und Experimentalfilmen vertreten sind. Wie 2018 setzt sich auch diesmal das Gesamtprogramm aus älteren und aktuellen Beiträgen zusammen. „Bäckerei Zürrer“ von Kurt Früh (1957) ist der älteste Film des Festivals: die amouröse Beziehung zwischen dem Sohn eines Schweizer
Kleinunternehmers und der Tochter eines italienischen Einwanderers sorgte seinerzeit für viel
Aufsehen.

Eröffnet wird das Festival mit „L’invitation“ („Die Einladung“, 1973) des kürzlich verstorbenen Genfer Filmemachesr Claude Goretta. Er porträtiert darin das Kleinbürgertum der 1970er Jahre und konfrontiert es mit seiner Bigotterie. Als Abschlussfilm kommt Daniel Schmids Satire „Beresina – Oder die letzten Tage der Schweiz“ von1999 (u.a. mit Geraldine Chaplin und Ulrich Noethen) zur Wiederaufführung.

Schweizer Experimentalfilm

Erstmalig ermöglicht das Festival auch einen Einblick in das Schweizer Experimentalfilmschaffen zwischen 1970 bis heute, gezeigt werden u.a. Werke von Dieter Meier (Yello), Fischli/Weiss, Reinhard Manz, Ruedi Bind, Urs Breitenstein oder Anka Schmid.

Mit „Giulias Verschwinden“ (2009) von Christoph Schaub (mit Corinna Harfouch und Bruno Ganz in den Hauptrollen) und „Magic Matterhorn“ (1996) von Anka Schmid (mit Geschwister Pfister) werden zwei Werke als klassische 35 mm-Projektionen gezeigt.

Eine Ausstellung mit historischen Plakaten zur Schweizer Eisenbahn und eine Lesung mit dem Romancier und Drehbuchautor Silvio Huonder runden das Programm ab.

In den nächsten Tagen wird das Frollein Weißensee einzelne Filme vorstellen und euch hoffentlich auf den Geschmack bringen. Mehr Infos und das ganze Programm findet ihr unter filmschweiz.com.